20.03.2011 12:09 Uhr - 2. Bundesliga Süd - Harry Traubenkraut

Nellingen rennt Weibern nieder

In der 2. Frauen-Handball-Bundesliga hat der TuS Weibern sein Heimspiel gegen den neuen Tabellenführer TV Nellingen mit 27:35 (18:17) verloren, obwohl er zur Pause noch in Front lag. Damit haben eventuelle Aufstiegsrunden-Hoffnungen der "Vulkan-Ladies" einen klaren Dämpfer erhalten.

Nichts deutete zur Pause darauf hin, als würde Weibern, wie schon im Hinspiel, mit acht Toren Differenz verlieren. Schließlich erwiesen sich die Gastgeberinnen gegen die Nellinger Hornissen zunächst als ebenbürtiger Gegner, ja fast schon als mehr als dies, als sie sogar mit 8:4 in Führung lagen. 0:6 Tore in Folge aber zeigten dann bereits auf, wohin es an diesem Abend dann tatsächlich ging. "Wir haben den Nellinger Gegenstoß einfach nicht in den Griff bekommen", analysierte TuS-Trainer Jan Reuland treffend.

Immer wieder verstanden es die Nellingerinnen mit ihrer ersten-, zweiten- und dritten Angriffswelle Stiche zu setzen, die insbesondere deshalb schmerzhaft für die Gastgeber waren, weil diese ihre eigenen Angriffe wesentlich aufwendiger gestalten mussten um erfolgreich zu sein. So kaschierte die knappe Weiberner Pausenführung fast schon ein wenig die Schwächen der Gastgeber. Die profitierten nämlich davon, dass Svenja Huber in unnachahmlicher Manier ihre Treffer setzte und Nadja Zimmermann gegen zwei zunächst völlig indisponierte Gästetorfrauen mit raffinierten Handgelenkwürfen ihr Ziel fand.

Konnten die TuS-Handballerinnen gegen die physisch enorm präsente TVN-Deckung bis zum Pausentee noch phantasievoll und kreativ agieren, so wandelte sich das Bild in Durchgang zwei grundlegend. Den Reuland-Schützlingen fiel bis auf wenige gelungene Einzelaktionen im Angriff nicht mehr viel ein. Insbesondere das Spiel über den Kreis funktionierte überhaupt nicht, während Nellingens Regisseurin Christine Maric und Kreisläuferin Marion Radonic den TuS-Frauen genau in diesem Punkt Anschauungsunterricht gaben. Für Jan Reuland lag da das zweite Manko des Abends nach dem Rückzugsverhalten beim schnellen Nellinger Gegenspiel. "Wir hätten in der Abwehr einfach viel härter zupacken müssen und haben irgendwie den Kampf heute nicht so richtig angenommen".

Da sich nun auch noch Nellingens Torfrau Andrea May deutlich steigerte, zogen die Gäste von 19:20 auf 19:23 davon und gewannen immer mehr die Oberhand über die Partie. Auch die letzte Hoffnung von Reuland platze dann noch. "Ich dachte zur Pause eigentlich, Nellingen würde seinem schnellen Spiel irgendwann Tribut zollen. Aber dem war nicht so". Statt den Hornets bauten die Eifelerinnen, denen von 24:28 bis 24:30 endgültig die Moral gebrochen wurde, ab. "Wir hatten vier Wochen spielfrei und in dieser Zeit richtig an unser Physis und Athletik gearbeitet. Ich hatte da keine Bedenken, dass wir einbrechen würden", verriet dann auch Gästetrainer Stefan Haigis in der Pressekonferenz. Kann durchaus sein, dass der lange Atem, den Nellingen in Weibern zeigte durchaus Symbolkraft für den Ligaendspurt besitzt, denn nach der sensationellen 29:33-Niederlage der HSG Bensheim in Mainz grüßt der TVN nun von der Tabellenspitze.