14.02.2011 08:11 Uhr - 2. Bundesliga Süd - Harry Traubenkraut - Rhein-Zeitung

Weibern bezwingt Spitzenreiter Bensheim

Nadja Zimmermann erzielte sieben ToreNadja Zimmermann erzielte sieben Tore
Quelle: Andreas Walz
In der 2. Handball-Bundesliga haben die Weiberner Vulkan-Ladies in einem spektakulären Spiel Tabellenführer HSG Bensheim mit 33:32 (14:16) besiegt und damit die stolze Serie der Gäste mit zuvor neun Ligasiegen in Folge beendet.

Die Weiberner Robert-Wolff-Halle hat schon viele denkwürdige Abende erlebt. Zu denen wird nach dem Erfolg der TuS-Handballerinnen gegen den Ligaprimus in Zukunft sicher auch der letzte Samstag gehören, denn wie die Gastgeberinnen dem auf Erfolgskurs schwimmenden HSG-Dampfer das Wasser abgruben hatte schon Extraklasse. Selbst TuS-Trainer Jan Reuland, der ansonsten nüchterne Analytiker, war fast schon euphorisch als er die Partie anschließend bewertete. "Heute hat einfach alles gepasst. Einen starken Gegner, der erst einmal nieder gerungen werden musste, haben wir am Ende tatsächlich zu Fall gebracht. Wir haben dann Willenskraft, Spielwitz und den richtigen taktischen Antworten auf knifflige Spielsituationen zwei ganz wichtige Punkte im Kampf um die neue eingleisige 2. Bundesliga erobert".

Die richtigen Lösungen auf taktische Herausforderungen bot aber auch Reuland selbst seinem Team zu den entscheidenden Zeitpunkten an. So schon nach wenigen Minuten, als er von der diesmal nicht so sattelfesten 6:0-Abwehr auf eine 5:1-Formation um. "Zieh deine Jacke aus, du wirst vorne drauf gebraucht", lautete Reulands Anweisung an Annick Bosshart. Die Schweizerin sollte auf vorgezogener Abwehrposition den Gästerückraum um die zunächst nach Belieben treffende Kim Naidzinavicius besser aus dem Spiel nehmen. Was die kommende Leverkusener Erstligaspielerin betraf, gelang dies auch, allerdings nutzte die routinierte Ingrida Bartaseviciene nun die entstehenden Freiräume.

Reuland reagierte erneut. Im Tor brachte er Sophia Kochs für Lena Knipprath und ließ Lisa Schenk offener gegen die HSG-Litauerin agieren, sodass Weibern kurz vor der Pause auf 14:15 verkürzte. Selbst einen direkt verwandelten Freiwurf von Laura Magelinskas mit dem Pausenpfiff zum 14:16 steckten die TuS-Handballerinnen dann problemlos weg, da sie längst gespürt hatten, was ihnen Reuland in der Pausenansprache nochmals einimpfte. "Alle wussten; heute geht was", so Reuland. Besonders Frohnatur Vivi Kazaki setzte den herrschenden Optimismus in die Tat um. Der Winterneuzugang traf in Durchgang zwei fast nach Belieben, nachdem vor dem Pausentee vor allem Svenja Huber mit ihren Schlagwürfen Weiberns Chancen auf einen Überraschungssieg am Leben gehalten hatte. Zehnmal war die Griechin am Ende erfolgreich. "Sie ist halt ein unbekümmerter Spielmops, aber in der Abwehr spekuliert sie mir zu viel", befand Reuland, der in der Abwehr dafür Schenk die Arbeit von Kazaki erledigen ließ.

Stark spielte auch Nadja Zimmermann auf, die immer mehr in den Fokus rückte, nachdem Weibern beim 23:22 (42.) erstmals selbst in Führung ging. "Gegen Naidzinavicius, ihre Konkurrentin aus gemeinsamen Junioren-Nationalmannschaftszeiten dreht Nadja immer besonders auf", grinste Reuland. Dessen Truppe zog sogar auf 26:23 davon, aber Bensheim unterstrich seine Klasse, indem der Tabellenführer sich nie abschütteln ließ. Reuland aber hielt zum Schluss noch eine (grüne) Trumpfkarte in den Händen "Ich habe mir die Auszeit in der ich dann die technisch starke Annick Bosshart auf die Rückraum-Mitte-Position beordert habe, bis zum Schluss aufgehoben. So erlöste Vivi Kazaki nach Annika Hermenaus Anschlusstreffer zum 31:32 (59:13) dann wenige Sekunden später das frenetisch mitgehende Heimpublikum mit ihren zehnten Treffer.