09.02.2011 20:20 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß - handball-world.com

30:28 - Leipzig luchst Göppingen den Sieg ab

Karolina Kudlacz spielte druckvoll auf.Karolina Kudlacz spielte druckvoll auf.
Quelle: sportseye.de
„Wenn wir in der Abwehr genauso konsequent spielen wie zuletzt, dann haben wir gute Chancen, die Punkte mit zu nehmen,“ hatte Leipzigs Trainer Heine Jensen vor der zweiten Partie in Göppingen binnen einer Woche zu Protokoll gegeben. Den Gastgeberinnen gehöhrte dabei trotz einiger Fehler im Spielaufbau die erste Hälfte, die die Grün-Weißen mit 14:12 für sich entschieden. Für Leipzig war das vor 450 Zuschauern ein schmeichelhaftes Zwischenergebnis, den Gästen fehlte nach der englischen Woche lange die Spritzigkeit, die sie in der Champions League an den Tag gelegt hatten. Allerdings verpasste Göppingen immer wieder entscheidende Möglichkeiten sich abzusetzen und so war es am Ende doch Leipzig, das, geführt von Kudlacz (15/5), knapp mit 30:28 die Punkte gen Osten entführte.

Nicole Dinkel trieb Göppingen an.Nicole Dinkel trieb Göppingen an.
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Göppingen startete im zweiten Vergleich mit Meister Leipzig binnen einer Woche gut und führte nach drei Minuten mit 2:1. Technische Fehler und Unkonzentriertheiten im Spielaufbau verbauten danach aber die Möglichkeit einer höheren Führung: Leipzig fand gegen die gut verteidigenden Göppingerinnen nur schleppend ins Spiel, nutzte aber die Fehler und hielt Anschluss. Nach zehn Minuten verpasste dabei Ania Rösler den 4:4-Ausgleich und Karin Weigelt bedankte sich auf der Gegenseite mit ihrem Konter zum 5:3. Der nächste Göppinger Pass war dann aber erneut zu risikoreich geworfen. Ex-Nationalspielerin Anne Müller verkürzte im Gegenzug. Nach einem weiteren technischen Fehler war wenig später der Konter von Louise Lyksborg zum 5:5 (13.) fällig.

Vier Minuten später nahm Aleksandar Knezevic eine Auszeit. Seine Spielerinnen hatten einen Leipziger Angriff abgewehrt und wieder einmal die Chance auf zwei Tore zu erhöhen. Lange suchten die Gastgeberinnen nach der Besprechung nach einer Lücke, schließlich fasste sich Anita Herr ein Herz und beförderte den Ball per Schlagwurf zum 9:7 in die Maschen des Netzes hinter Katja Schülke. Die Torhüterin des HCL hatte heute, ebenso wie ihre Vorderleute, nach der guten Leistung am Samstag gegen Larvik Mühe mit Göppingen. Herr erhöhte für die Gastgeberinnenauf 10:7, ehe sich Leipzig wieder herankämpfte. Die Gäste hatten sich auch besser auf die Linie der Schiedsrichter eingestellt und zogen daraus ihren Vorteil. In Überzahl erzielte Kudlacz den dritten Treffer in Folge zum 10:10-Ausgleich (10.), Göppingen vergab im Gegenzug eine weitere Chance.

Clevere Aktionen wie ein Zuspiel auf Louise Lyksborg am Kreis, die unter passivem Spiel prompt den Strafwurf erwirkte, der die 11:10-Gästeführung bewirkte, spendeten Leipzig Mut. Göppingen schien unterdessen zu hadern, beispielsweise als Alena Vojtiskova vier Minuten vor der Pause bereits zum zweiten Mal auf die Sünderbank musste. Die Partie schlingerte dahin, gute Spielhandlungen paarten sich - bei Göppingen wie bei Leipzig - mit undurchsichtigen Aktionen, die in Fehlern mündeten. Die Schwäbinnen legten weiter vor, verpassten dabei aber weitere Möglichkeiten, den Vorsprung auf drei Tore zu erhöhen: Ein Pass von Stellbrink auf Kniehöhe und der Ballbesitz wechselte wieder auf Gegners Seite. Und nach der Halbzeit-Sirene setzte Herr einen Freiwurf an die Torlatte, mit einem 14:12 ging es in die Kabinen.

Eine Handvoll technische Fehler hatten die Vorentscheidung zugunsten Göppingens in der ersten Hälfte verhindert. Nun hatte Leipzig Anwurf und konnte wieder auf ein Tor verkürzen. Leipzig nutzte mithin die zweite Möglichkeit zum 13:14, da Herr einen Strafwurf an Julia Plöger vergeben hatte. Erneut verpasste Göppingen zu viele Chancen und ließ die Früchte der guten Abwehrarbeit hängen. So traf Weigelt im Abschluss die falsche Entscheidung, scheiterte an Schülke und Anne Müller bedankte sich mit dem 16:16 (37.). Beim 18:17 (38.) drehte Kudlacz mit ihrem neunten Treffer die Partie wieder zugunsten der Gäste, zu dem 4:0-Lauf hatte sie drei Treffer beigesteuert. Leipzig entfachte nun aus der Deckung heraus den nötigen Druck auf Göppingen.

Nun übernahm Nicole Dinkel bei Göppingen allerdings Verantwortung und hielt ihr Team fast im Alleingang mit Treffern und Anspielen im Spiel. Den Treffern zum 20:19 folgten aber erneut drei Treffer des HCL. In Überzahl erzielte Karolina Kudlacz wenig später das 24:21 - eine Viertelstunde vor Abpfiff schien Leipzig auf dem Weg zum Sieg. Auch, weil die treffsichere Karolina Kudlacz - am Ende hatte die polnische Nationalspielerin beeindruckende fünfzehn Treffer auf der Habenseite verbucht - die Gäste weiter vorantrieb.

Schülke parierte nun entscheidende Würfe und ihre Vorderleute hatten das nötige Glück, wie Maike Daniels, die nach einem Siebenmeter im Nachsetzen zum 26:23 einnetzte. Göppingen agierte mit flachen Würfen weiterhin gefällig und Anita Herr gelang der 25:26 (54.). Anne Müller musste da nach der dritten Zeitstrafe bereits zusehen und konnte bei der Zitterpartie nicht mehr eingreifen. Leipzig kam nur noch über Strafwürfe zum Torerfolg, konnte sich damit aber über Wasser halten und siegte nach einer Jensen-Auszeit und einem weiteren Siebenmeter mit 30:28.

Stimmen zum Spiel:

Heine Jensen:
Ich bin natürlich sehr froh, dass wir gewonnen haben. Heute war es ein Arbeitersieg, den muss man einfahren und das haben wir heute geschafft. In der ersten Halbzeit haben wir die Füße nicht ganz aufs Parkett bekommen, damit war ich nicht zufrieden. Aber wir haben in den entscheidenden Phasen gezeigt, dass wir allmählich Kaltschnäuzigkeit entwickeln. Wir sind froh, dass wir Karolina haben. Sie hat heute eine große Leistung gebracht und hat ihre individuelle Stärke ausgespielt. Die anderen haben toll für sie gespielt, daher auch ein Lob an die ganze Mannschaft.

Aleksandar Knezevic:
Großes Lob an mein Team. Die haben heute toll gekämpft. Zweite Halbzeit fehlte uns aufgrund des kleinen Kaders ein bisschen Kraft. Am Ende haben wir die Chance die Überraschung zu schaffen. Das ist uns nicht gelungen. Wir haben jetzt drei Auswärtsspiele: Buxtehude, Blomberg, Rosengarten. In Rosengarten haben wir etwas gut zu machen, in Blomberg auch. In Buxtehude haben wir nur mit einem Tor verloren, da sehe ich auch eine Chance. Wir müssen weiter kämpfen, dann kommt irgendwann der Erfolg.