23.01.2011 20:27 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm - VfL Oldenburg

34:28 gegen Göppingen: Oldenburg setzt Verfolgung fort

Laura van der HejdenLaura van der Hejden
Quelle: Hermann Jack
Die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg haben ihre Serie fortgesetzt und sind auch im sechsten Pflichtspiel in Serie ohne Niederlage geblieben. Gegen den Neunten FA Göppingen setzte sich der Tabellenfünfte VfL am heutigen Sonntag (23.1.2011) mit 34:28 (15:14) durch und wahrte seine realistische Chance, bis zum Ende der Hauptrunde noch einen Vertreter des Spitzenquartetts einzuholen. Vor 1170 Zuschauern in der EWE Arena konnten sich die Gastgeberinnen kurz nach der Pause absetzen und konterten die müder werdenden Göppingerinnen klassisch aus. 

Oldenburg musste mit personellen Problemen klarkommen: Spielführerin Sabrina Neuendorf konnte wie Julia Wenzl nur sporadisch eingesetzt werden, Jacqueline Reinhold (alle Erkältungen) war gar nicht dabei. Vor den Augen des niederländischen Nationaltrainers Henk Groener (der auch die Göppinger Linksaußen Joyce Hilster beobachtete) übernahm Lois Abbingh im Wechselspiel mit Angie Geschke zunächst die Position im Aufbauspiel. Im Mittelblock wurde Neuendorf durch Abbingh vertreten. Bei den Gästen ging Nicole Dinkel nicht vollkommen fit in die Partie. Überhaupt hat Göppingen nach den Abgängen während der Saison (Marieke van der Wal, Katrin Schröder) nur elf Spielerinnen im Kader - das wirkte sich aus. 

Der VfL traf in den ersten beiden Angriffen (Kethorn vom Kreis nach Geschke-Zuspiel; Badenhop vom Kreis nach Abbingh-Zuspiel), lag nach diesem 2:0 zwar nie hinten, konnte sich aber auch nicht absetzen. Birute Stellbrink glich zum 2:2 (6.), Joyce Hilster zum 5:5 (11.) aus. Lydia Jakubisova, die in der Schlussphase der ersten Hälfte enorm aufdrehte, sorgte mit dem 11:8 (21.) für die erste Drei- und drei Minuten später sogar für die erste Vier-Tore-Führung (13:9). 

Sicherer wurden der VfL deswegen aber noch nicht. Birute Stellbrink (vier Tore bis zur Pause), Alena Vojtiskova (2) und Joyce Hilster (2) brachten FAG auf 14:15 heran. Immer wieder vom Rückraum in Szene gesetzt wurde Kreisläuferin Christine Dangel, die fünf Treffer markierte. "Gegen die großgewachsenen Spielerinnen hätten wir früher attackieren müssen", kritisierte VfL-Trainer Leszek Krowicki seine Abwehr: "Wir haben zu spät geschaltet und dadurch zu viel Platz für den Kreis gelassen." 

1170 Zuschauer hatten eine kampfbetone erste Hälfte gesehen, in der dem VfL nur selten einfache Tore gelangen. Dafür war Göppingen körperlich zu präsent, spielte zu engagiert. Zudem nahm Frisch Auf Angie Geschke mit einer engen Deckung durch Karin Weigelt, Christine Dangel oder - später - Frances Günthelt aus dem Oldenburger Positionsangriff. Diese recht kraftraubende Abwehrformation hielten die Gäste etwa 40 Minuten durch. Weitestgehend ohne Neuendorf und Wenzl fehlte dem VfL-Angriff andererseits etwas die Struktur; die Trefferquote aber litt nicht darunter. 

In der zweiten Hälfte glichen die Gäste durch Christine Dangel und Stellbrink noch zweimal aus, trafen nach dem 16:16 (32.) in den folgenden zehn Minuten nur noch einmal (18:23/42.). Derweil bauten Wiebke Kethorn und dreimal Anna Badenhop die Gegenstoß-Statistik aus. Zudem registrierten die VfL-Anhänger erfreut, dass Jakubisova ihren Torhunger mit in die zweite Halbzeit genommen hatte. Auf der anderen Seite prallten die Göppingerinnen an der Oldenburger Abwehr regelrecht ab. Die mit Wiederbeginn ins Spiel gekommene Tatiana Surkova bekam nur wenig zu halten. 

Nach der von Aleksandar Knezevic genommenen Auszeit (45. bei 25:18) wurden die Bemühungen der Gäste kurzzeitig fruchtbarer (23:27/51.), doch bis zur 55. Minute waren die Oldenburgerinnen durch den achten Treffer der wieder sehr treffsicheren Laura van der Heijden schon wieder auf 33:24 davongezogen. 

Mitentscheidend für den Gäste-Einbruch war sicherlich der kleine Kader. Lediglich die Ex-VfLerin Anita Herr veränderte die Aufstellung bis zur Pause, danach kam in der 35. Minute noch Frances Günthel in die Partie. "So wenig sind wir nun mal", sagte Vojtiskova, die andere ehemalige Oldenburgerin: "Am Ende haben wir uns überlaufen lassen." Anita Herr analysierte: "Sicher waren wir etwas langsam im Angriff, aber wir haben lange mitgehalten. In den letzten 20 Minuten wurden wir zu müde und haben dann zu viele Fehler gemacht."

Knezevic nannte ähnliche Gründe für den Einbruch: "Wir haben nur die erste Halbzeit mitgespielt. Am Ende hat uns die Kraft gefehlt." Gegenüber Leszek Krowicki, der nach einer Viertelstunde begann, munter durchzuwechseln, hatte genau auf diesen Effekt spekuliert: "Ich hatte schon damit spekuliert, dass Göppingen das Tempo nicht über 60 Minuten halten kann." Während Oldenburg weiter vom vierten Platz und einer noch langen Serie ohne Niederlage hofft (kommenden Sonntag ist die HSG Blomberg in der EWE Arena zu Gast), geht es für Göppingen "in erster Linie um den Klassenerhalt", so Knezevic. "Allerdings haben wir auch noch gute Chancen, in die Playoffs zu kommen. Das wäre nach dieser Saison mit diesen ganzen Problemen ein schöner Abschluss."