19.12.2010 16:27 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Norwegen verteidigt EM-Titel zum dritten Mal

Zum vierten Mal in Folge reissen die Norwegerinnen bei einer EM am Ende die Arme in die HöheZum vierten Mal in Folge reissen die Norwegerinnen bei einer EM am Ende die Arme in die Höhe
Quelle: Michael Heuberger
Norwegen bleibt Europameister, nach schwachem Start besiegte das Team von Thorir Hergeirsson Schweden mit 25:20 (10:11). Schweden hatte stark begonnen und in der ersten Hälfte über weite Strecken geführt. Norwegen konnte aber kurz vor der Pause noch den Anschluss herstellen und gelangte kurz nach dem Seitenwechsel wieder in Front, da die Offensive des Tre-Kronor-Teams einbrach und gegen die neu formierte norwegische Abwehr keine Mittel fand. Kurz vor Spielende erfolgte zwar nochmals ein Aufbäumen und Schweden kam auf 16:19 heran, da Norwegen einige Gegenstöße vergeben hatte. Doch Norwegen spielte das Finale dank Lund Haraldsen (13 Paraden), Hammerseng und Løke (je 5) diszipliniert zu Ende und feiert den vierten EM-Titel in Serie. Für Schweden traf Gulldén siebenmal.

Anfangs arbeiten sowohl Norwegen als auch Schweden geduldig für ihre Chancen. Der Titelverteidiger stellte sich dabei zunächst geschickter an und ging durch Nøstvold mit 3:1 in Führung. Die Abwehrreihen beider Teams harmonierten gut, die Werfer zeigten sich hingegegen immer wieder nervös: Schweden verpasste unter anderem einen Wirkungstreffer nach einem Abspielfehler von Ida Alstad zum möglichen 3:3-Ausgleich. Auf der anderen Seite vergab Linn-Kristin Riegelhuth ihren Gegenstoß zum 5:2 (14.) an Cecilia Grubbström. Anna-Maria Johansson bedankte sich zwei Minuten später mir dem 4:4-Ausgleichstreffer. Norwegens Trainer Thorir Hergeirsson stellte um und brachte Stange, Larsen und Breivang.

Eine glücklose Wahl - Boson konterte Schweden mit 5:4 (18.) in Front. Und auch Gro Hammerseng konnte das norwegische Offensivspiel in dieser Phase nicht ordnen, die Defensive war zudem anfällig geworden und musste durch einen Hüftwurf von Spielmacherin Angelica Wallén den vierten schwedischen Treffer in Serie hinnehmen. Kristina Flognman sorgte nun häufig für Räume für die schwedischen Werferinnen. Während auf der Gegenseite die klein gewachsene Heidi Løke Durchsetzungsschwächen offenbarte, traf Flognman fast unbedrängt zum 8:6 (26.). Thorir Hergeirsson benötigte eine Auszeit um auf die auftrumpfenden Schwedinnen zu reagieren. Die Startaufstellung sollte es richten, mit Nora Mørk auf dem rechten Flügel.

Die 6:0-Abwehr bereitete den Norwegerinnen die größten Kopfschmerzen. Die Defensive konnte sich erst kurz vor der Pause steigern. Linnea Torstenson, zur wertvollsten Spielerin des Turniers gewählt, erhöhte zwar für Schweden auf 11:8 (29.), Linn Jørum Sulland von der Strafwurflinie und Herrem im erweiterten Gegenstoß nutzten jedoch eine Überzahl um kurz vor dem Halbzeitpfiff den 10:11-Anschlusstreffer zu setzen. Norwegen war bisher nicht in die Gänge gekommen, hatte nur einen Gegenstoß fertig bekommen und produzierte Ballverluste - im Positionsangriff - beim Titelverteidiger nur Stückwerk - war Schweden überlegen, zeigte am Ende aber Nerven. So konnte sich Norwegen heranpirschen und verschob die Vorentscheidung auf die zweite Spielhälfte.

Nach der Pause wartete Norwegen dann mit mehr Druck auf, Hammerseng und die bewegliche Breivang rückten in die Abwehr, die nun harmonierte und Schweden den Ball abspenstig machen konnte. Mit dem gefürchteten Konterhandball gelangte der Titelverteidiger in Front, während bei Schweden dder Akku komplett leer war und in den Rückwärtsgang geriet. Erst nach fünf Minuten gelang Annika Wiel Fredén der erste Treffer für Tre Kronor. Allerdings blieb die Partie ausgeglichen, weil Norwegen wichtige Treffer ausließ und die Paraden der inzwischen erstarkten Katrine Lunde Haraldsen nicht nutzen konnte: Den überhasteten Ballverlusten im Gegenstoß blieb Norwegen treu und Schweden trotz Abspielfehlern in dieser chaotischen Phase im Spiel.

Nach 42 Minuten war für Per Johansson dennoch das Time-out fällig: Seine Sieben war immer noch nicht in der Lage neue Kraftreserven zu mobilisieren, die Offensive eingebrochen und Hammerseng, Løke und Sulland hatten für Norwegen auf 17:13 erhöht. Aber Norwegen zwang Schweden weiterhin zu überhasteten Abschlüssen und begab sich allmählich auf die Siegerstraße, obwohl die Gegenstoßeffektivität des Titelträgers bedenklich schwach war. Die Einwechslung von Linn Jørum Sulland im rechten Rückraum nach der Pause hatte sich ausgezahlt, die Offensive Norwegens zeigte nun die erwartete Spielfreude. Karoline Dyhre Breivang tanzte ihre Gegenspielerin beim 18:13 aus und Løke packte einen weiteren Treffer drauf.

In den letzten zehn Minuten kam Schweden nochmals auf: Flognman, Gulldén und Helgesson brachten den EM-Neunten von 2008 auf 16:19 (50.) heran. Doch weitere freie Wurfmöglichkeiten wurden vergeben und so hatte Norwegen zwar wieder sichtlich größere Mühe, den Ball im Tor unterzubringen, verwaltete den Vorsprung danach aber dennoch scheinbar mühelos, zumal die Torausbeute weiterhin überlegen war. Die Jyske Bank Box im dänischen Herning war längst zu einem norwegischen Tollhaus geworden, dem Torfrau Katrine Lunde Haraldsen nach einer Parade und dem verhinderten 21:24-Treffer Schwedens euphorisiert zujubelte. Mit Karoline Dyhre Breivang setzte eine der zentralen Kräfte der zweiten Hälfte den Schlusspunkt mit dem 25:20. Norwegen bleibt Europameister.