15.12.2010 21:29 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Niederlande nur Zaungast bei Norwegens Halbfinaleinzug

Norwegen bejubelt den HalbfinaleinzugNorwegen bejubelt den Halbfinaleinzug
Quelle: Michael Heuberger
Auf dem Papier waren die Rollen für das dritte Spiel verteilt, Niederlande gegen Norwegen, David gegen Goliath, Goliath mit Heimrecht. Der David der Partie würde mit einem Sieg mit sieben Toren ins Halbfinale einziehen, vor der Europameisterschaft keine denkbare Option. Norwegen sorgte jedoch dafür, dass solche Rechenspiele schnell in die Scheinwelt verbannt wurden. Nach 21 Minuten führte das Team von Thorir Hergeirsson mit 13:3, erst danach kam Oranje etwas auf, kam nach dem 9:18-Pausenstand waren die Akkus allerdings leer. So wurde die Partie zu einer beeindruckenden Gala für den Olympiasieger von 2008, der das Halbfinalticket mit einem 35:13-Sieg löst. Løke (7) und die in der zweiten Halbzeit im Tor stehende Grimsbø (8 Paraden) ragten bei Norwegen heraus, bei Oranje war Abbingh (4) beste Werferin.

Beide Teams starteten etwas nervös, allerdings halfen Norwegen die Routine und das druckvollere Spiel, während die Niederlande ehrfürchtig reagierten. Marieke van der Wal war dabei kaum Fels in der Brandung und parierte nur einen Wurf, die Offensive traf nicht. So stand es nach acht Minuten, mehreren Ballverlusten und risikoreichen Aktionen aus Oranjesicht 1:4. Tonje Nøstvold rechtfertigte ihren Platz in der Startaufstellung mit dem 1:6, für Henk Groener das Zeichen zur Auszeit. Nur einen von fünf Würfen hatte sein Team untergebracht und auch die gestern noch herausragende Nycke Groot fand kein Mittel gegen die norwegische Abwehr: Kein guter Zeitpunkt für mathematische Denkspiele, Norwegen war bereits auf dem Weg ins Halbfinale.

Henk Groener versuchte einen Impuls zu setzen und schickte Debbie Klijn zwischen die Pfosten. Gegen Molid parierte sie einen Strafwurf, allerdings konnte auch die Routinierin in ihrem letzten Länderspiel nicht verhindern, dass Norwegen weiterhin ein Feuerwerk abbrannte und nach 21 Minuten beim Stand von 13:3 durch Løke erstmals mit zehn Toren in Vorlage ging. Norwegen steuerte auf einen Sieg zu, den man vor der Europameisterschaft als standesgemäß beschrieben hätte. Tatsächlich zeugten Aktionen wie das 7:14 von Lois Abbingh aus dem Rückraum und der folgende Ballgewinn, den Abbingh in einen Strafwurf und Visser in Zählbares umwandelte vom Können der Groener-Sieben und machten Norwegens Trainer Hergeirsson nachdenklich.

Henk Groener hatte viel ausprobiert und fand schließlich eine Konstellation, die den großen Respekt ablegte und Norwegen in der Schlussphase der ersten Hälfte einen munteren Fight lieferte, freilich auf verlorenem Posten. Klijn parierte einen weiteren Strafwurf und ihre Vorderleute hielten den Rückstand weiter bei unter zehn Toren. Ein Kempatreffer von Gro Hammerseng bedeutete dann den 9:18-Halbzeitstand, technisch trennten die beiden Teams Welten. Norwegen hatte im Vergleich zu gestern einen weiteren Schritt nach vorne gemacht und konnte mit einer guten Einstellung und Teamleistung phasenweise überzeugen. Zwei von drei Würfen fanden dabei den Weg ins niederländische Tor. Die Defensive der Niederlande war dem Olympiasieger nicht gewachsen.

Nach der Pause kam es noch dicker für die Niederlande. Neuerliche technische Fehler nutzte Norwegen im Stile eines Spitzenteams, Linn-Kristin Riegelhuth konterte nach 34 Minuten zum 21:9. Herrem staubte zehn Minuten später zum 25:11 ab. Dazwischen lagen sechs Minuten ohne Tor. Klein und Visser hatten die gut spielende Frafjord nun unter Kontrolle. Thorir Hergeirsson sorgte mit der Einwechslung von Heidi Løke für eine Verschärfung der Aufgabenstellung am Kreis, Løke erhöhte prompt auf 27:11 (47.). Alstad konterte zum 29:11. Unerwartet hoch wurde das Debakel für die Niederlande, die in 18 Minuten nur zwei Treffer zustande brachte. Auch eine Auszeit blieb ohne Effekt, dem 35:13-Sieg Norwegens hatte Oranje in der zweiten Hälfte nichts mehr entgegenzusetzen.