15.12.2010 19:41 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Schweden springt Ungarn von der Schippe und sichert Halbfinalplatz

Sowohl Schweden als auch Ungarn konnten am letzten Spieltag noch ins Halbfinale vorstoßen. Schweden genügte dazu ein Punkt, Ungarn benötigte neben einem Sieg gegen Schweden zusätzliche Schützenhilfe von Norwegen um einen Platz unter den letzten Vier zu ergattern. Für beide Teams stand also viel auf dem Spiel. Schweden wirkte nach der gestrigen knappen Niederlage gegen Frankreich zunächst gehemmt, konnte den 10:12-Rückstand nach der Pause mit einer disziplinierten Leistung aber wettmachen. War in der ersten Hälfte Katalin Palinger (11/2) die auffälligste Akteurin, war es in der zweiten ihr Gegenpart Cecilia Grubbström. Die Grundlage für den 24:19-Erfolg. Torstenson erzielte 8/3, Johansson sechs Treffer. Ungarns beste Werferin war Zita Szucsanski (8/3).

Linnea Torstenson (re) gegen Anita BulathLinnea Torstenson (re) gegen Anita Bulath
Quelle: Michael Heuberger
In dieser entscheidenden Partie standen beide Teams unter enormem Druck, es war anzunehmen, dass es darauf ankommen würde, welcher Mannschaft weniger Fehler unterliefen oder welches Team die Unzulänglichkeiten des anderen besser nutzen könnte. Ungarn betrieb dabei in der Abwehr mit einer 3:2:1-Formation großen Aufwand und drückte Schweden immer wieder in die Distanz, so fiel der dritte Treffer für Tre Kronor erst nach neun Minuten. In der Offensive präsentierte sich Zita Szucsanski in Galaform, die ersten vier Treffer gingen auf ihr Konto, Aniko Kovacsics markierte das 6:3. Mit der 6:0-Deckung der Schwedinnen tat sich Ungarn leicht, die Magyarinnen bestimmten die erste Viertelstunde der Partie und schienen auf einem guten Weg. Palinger brillierte, Unzulänglichkeiten im Abschluss hatten jedoch bereits in den ersten Minuten einen noch komfortableren Vorsprung verhindert.

Per Johansson reagierte und wechselte Cecilia Grubbström ein, da ihre Vorgängerin Gabriella Kain von acht Würfen nur einen entschärft hatte. Die Abspielfehler Ungarns zogen sich indessen wie ein roter Faden durch die Partie und so rückte Schweden allmählich heran. Johansson und Torstenson führten ihr Team zum 6:8 und aus zwei diskussionswürdigen Zeitstrafen gegen Ungarn schlug Tre Kronor weiteren Profit. Ungarn schien außer Tritt und Schweden allmählich im Spiel: Nach 19 Minuten hatte Annika Wiel Fredén den 8:8-Ausgleich auf der Hand, allerdings war ein Torpfosten im Weg. Katalin Palinger hielt ihrem Team den Rücken frei, das sich mit zwei weiteren Szucsanski-Treffern auf 10:7 absetzen konnte. Vertén erhöhte auf 11:7, Johansson hatte Kommunikationsbedarf.

Viereinhalb Minuten waren zu diesem Zeitpunkt im ersten Abschnitt noch auf der Uhr, die bisher zugunsten Ungarns tickte, zumal Schweden im Tor bisher kein Gegengewicht zu Palinger aufbot. In Überzahl konnte Schweden dennoch verkürzen, Torstenson und Flognmann trafen zum 10:12. Für die letzten dreizehn Sekunden rief Trainerin Eszter Matefi ihr Team zu sich um die letzte Angriffshandlung zu besprechen, ein weiterer Ballverlust sollte verhindert werden und ein Treffer musste her, um wenigstens mit drei Toren Vorsprung in die Kabine zu gehen. Doch diesmal tickete die Uhr gegen Ungarn, Schweden machte dicht und so sprang nur noch ein Freiwurf heraus, den Anita Bulath in die Mauer setzte - lediglich zwei Tore Differenz, Schweden war trotz durchwachsener erster Halbzeit weiterhin im Spiel.

Die Zeitstrafe gegen Bulath (28.) hatte Ungarns Spielfluss unterbrochen, Schweden hatte sie genutzt und hatte Kontakt aufgenommen. Der Fahrweg für eine spannende zweite Hälfte war gestellt. Ungarn hatte es in der ersten Halbzeit nicht geschafft, von der Nervosität des Gegners zu profitieren und auch eine Überzahl zu Beginn der zweiten Hälfte verstrich ungenutzt. Cecilia Grubbström wurde unterdessen zum Faktor und legte mit ihren Paraden die Grundlage zu Torstensons 14:15-Anschlusstreffer (37.). Auch den nächsten Wurf der Ungarinnen entschärften sie und Sabina Jacobsen bedankte sich mit dem Ausgleich. Eszter Matefi reagierte und schickte Klara Szekeres für Aniko Kovacsics in die Abwehr. Doch auch sie konnte Anna-Maria Johanssons Führungstreffer nicht verhindern.

Der gute Start Ungarns war vergessen, stattdessen flatterten der Matefi-Sieben die Nerven, während Schweden mit einem disziplinierten Start in die zweite Spielhälfte das Ruder fürs erste herumgerissen hatte. Eine Sonderbehandlung an Torstenson neigte die Partie danach wieder leicht zugunsten der Ungarinnen, es blieb aber ein Ritt auf Messers Schneide und nach Johanssons 20:18-Durchbruch (51.) führte Schweden erstmals mit zwei Toren. Eszter Matefi nahm ihre Auszeit. Fast jeder Wurf war nun leichte Beute für Cecilia Grubbström, auch die Besprechung schien daran nichts zu ändern: Ungarn traf nicht mehr, hatte keine Alternativen,der unbändige Teamgeist und Grubbström hatten Schweden emporgerissen, im Rausch der Gefühle zieht Tre Kronor mit einem 24:19-Sieg ins Halbfinale ein.