14.12.2010 21:42 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Ukraine für Norwegen der Aufbaugegner zur rechten Zeit

Glücklich, aber nicht ganz zufrieden war Norwegen nach dem Duell gegen die Ukraine. Auf Augenhöhe befanden sich die Teams dabei nur bis zur Einwechslung von Heidi Løke (6), die nach dem 4:4 (12.) ihre ersten beiden Treffer erzielte. Über 13:6 setzte sich Norwegen bis auf 32:19 ab, hatte aber vor allem im Positionsangriff weiter große Probleme. Den Vorsprung verdankte das Team vor allem der schwachen Wurfausbeute der Ukraine. So konnte Norwegen über Konterhandball nach der Niederlage gegen Schweden Selbstvertrauen zurückgewinnen, unterstützt von Torfrau Katrine Lunde Haraldsen mit einer Quote von 52 %. Natalya Parhomenko und Maryna Vlasenko stemmten sich mit ebenfalls guten Leistungen vergeblich gegen die Niederlage der Ukraine.

Heidi Löke meldete sich mit sechs Toren zurückHeidi Löke meldete sich mit sechs Toren zurück
Quelle: Michael Heuberger
Ganz in weiß gekleidet traf Norwegen am Dienstagabend auf die Ukraine. Wieder an Bord, wenngleich zu Beginn auf der Bank waren die drei bei dem Debakel gegen Schweden schmerzlich vermissten Spielerinnen, unter anderem Heidi Løke. Norwegen war zwar offensichtlich noch nicht wieder komplett auf dem Damm, die Würfe verfehlten mehrfach klar ihr Ziel, gleich vier von fünf Versuchen vergab Tonje Nøstvold. Aber der norwegische Deckungsverband funktionierte und so stand es nach zehn Minuten immerhin 3:3. Zu verdanken war der Spielstand auch Katrine Lunde Haraldsen, die von ersten sechs Würfen drei abwehrte. Unter anderem verhinderte sie zwei Gegenstoßtreffer und stärkte ihrem vor allem in der Offensive nervös wirkenden Team den Rücken.

Unter dem Applaus der Fans betrat dann nach einer Viertelstunde Heidi Løke das Feld und wurde nur Sekunden später beim 5:4-Führungstreffer in Szene gesetzt. Kurz nach Løkes zweitem Treffer beantragte Leonid Evtushenko die Auszeit, der schwache Unterarmwurf von Rehina Shymkute konnte ihm aber danach ebenso wenig gefallen wie das 4:7 von Karoline Dyhre Breivang und der direkte Ballgewinn Norwegens im Gegenzug. Die Wirkung der Auszeit zugunsten der Ukraine blieb aus, der Durchbruch von Iulia Manaharova zum 5:8 war einer der wenigen Höhepunkte aus sicht der Osteuropäerinnen, die am fünften Spieltag binnen acht Tagen trotz des gestrigen Ruhetags etwas müde wirkten.

Angesichts der schwachen Abschlüsse beider Teams rückten die Torfrauen ins Zentrum des Geschehens, die Ukraine verbuchte bis zur Pause sieben Paraden, bei Norwegen waren es zehn. In der Schlussphase konnte Norwegen diesen Paradenvorteil nutzen und vorentscheidend davon ziehen, zu harmlos war die ukrainische Offensive, in der vor allem Akzente von Anastasia Pidpalova fehlten. Norwegen Rückkehrerin Løke machte hingegen aus vier Versuchen vier Treffer, Breivang und Herrem sorgten dann für den 6:13-Pausenstand. Mit einer klar steigerungsfähigen Vorstellung war Norwegen entwischt und steuerte, nach den Auftaktschwierigkeiten nicht ganz erwartet, unter dem Jubel des Publikums doch schon zur Pause Richtung Sieg.

Evtushenko reagierte auf die schwache Leistung von Pidpalova, die von sieben Würfen nur einmal getroffen hatte, und schickte statt ihrer Lilia Gorilska aufs Feld. Impulse blieben jedoch aus und so baute Herrem mit einem Hattrick zum 8:18 (39.) weiter am norwegischen Sieg. Immer wieder schwappten Gegenstöße auf das Tor von Maryna Vlasenko zu - leichte Treffer, die die schwache Leistung im Positionsangriff halbwegs übertünchten, auch wenn Vlasenko bei ihrem ersten EM-Einsatz in dieser Phase zwei Gegenstöße parierte. Beim 13:22 hatte die norwegische Wurfausbeute 50 Prozent erreicht. Mit Mühe hielt die Ukraine den Rückstand bei zehn Toren. Beide Trainer wechselten viel, beide Teams kamen in der Schlussphase vermehrt zu Toren. Am Kräfteverhältnis änderte sich bis zum 19:32-Endstand freilich nichts mehr, zurück in der Spur ist Norwegen indessen noch nicht.