12.12.2010 22:41 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Spitzenreiter in Lillehammer: Schweden dominiert geschwächte Norwegerinnen

6 Tore: Annika Wiel Freden6 Tore: Annika Wiel Freden
Quelle: Christian Ciemalla
Ohne Heidi Løke, Kari Mette Johansen und Tine Stange, allesamt durch eine Viruserkrankung geschwächt, musste Norwegen am Sonntagabend dezimiert gegen Schweden antreten, begann nervös und verhalten und kam nicht ins Spiel. Es dauerte dennoch bis kurz vor der Pause, ehe Schweden sich absetzen konnte und die erste Hälfte mit 13:6 deutlich gewann. Norwegen kam erst in der Schlussphase besser ins Spiel, setzte einfache Treffer und kam drei Minuten vor Abpfiff auf 22:18 heran. Aber die taktisch gut eingestellten Schwedinnen setzten nach und siegten 24:19 und führen nun die Gruppe 2 an. Norwegen überzeugte lediglich zwischen den Pfosten, das Duell Haraldsen/Grimsbø gegen Schwedens starken Rückhalt Cecilia Grubbström endete nach 14 Paraden unentschieden.

Mit Heidi Løke fehlte Norwegen die beste Werferin, die bisher für die einfachen Treffer und zahlreiche Strafwürfe gesorgt hatte. Entsprechend musste sich das Team neu finden, erst nach sechs Minuten setzte Tonje Nøstvold den ersten Treffer für den Titelverteidiger setzte. Bei knapp 20 Prozent lag die Quote der Offensive, besonders die immer wieder aus der Abwehr heraustretende Isabelle Gulldén machte es Norwegen schwer. Tonje Larsen auf der Mitte fand keine Lösungen, um ihre ebenfalls gehemmt wirkenden Mitspielerinnen in Position zu bringen. Aber auch Schweden gelang in der Startphase im Angriff nicht alles, und so stand es nach acht Minuten 3:1 für das Team von Per Johansson. Norwegen kam nicht in Tritt, verhielt sich ängstlich.

Annika Wiel Fredén setzte dann mit einem Abstauber vom rechten Flügel nach, langsam wuchs der Vorsprung Schwedens, Tore waren aber Mangelware. Nach 14 Minuten stand es 6:2. Marit Malm Frafjord konnte gegen die schwedische Defensive keine Akzente setzen, Norwegen wirkte paralysiert. Ida Alstad ersetzte nun die überforderte Tonje Larsen, kurz darauf rückte Gro Hammerseng auf die Königsposition. Einen Moment danach zückte Thorir Hergeirsson die grüne Karte, zwei Treffer in 15 Minuten konnten ihn nicht zufriedenstellen. Dann erster Szenenapplaus, die geballte Faust des Trainers: Marit Malm Frafjord hatte auf 6:3 verkürzt. Aber Norwegen spielte zu risikoreich: Am Kreis stand eben nicht Heidi Løke, die in der Vorrunde aus unmöglichsten Situationen getroffen hatte.

Solche Anspiele waren vielmehr leichte Ballgewinne für Schweden und Torfrau Cecilia Grubbström konnte glänzen. Aber Blau-Gelb spielte auch manches mal überhastet und nahm schlecht vorbereitete Würfe. Nora Mørk konnte derweil das norwegische Spiel ordnen und als Camilla Herrem den ersten Gegenstoß zum 7:5 verwertete, wirkte Thorir Hergeirsson etwas entspannter - doch nur kurz, denn Annika Wiel Fredén übernahm bei Tre Kronor Verantwortung und distanzierte den Europameister mit einem Doppelschlag wieder auf vier Treffer. Bis zur Pause erhöhte Schweden auf 13:6. Tina Flognman empfand keine Gegenwehr, Isabelle Gulldén verwertete einen Strafwurf. Schweden spielte befreit und gewitzt: Jessica Helleberg traf zum Halbzeitstand aus spitzen Winkel - nach einem Einwurf.

Das Pausenergebnis ließ Erinnerungen wach werden an den GF World Cup im September, als Norwegen die ersten 25 Minuten gegen Russland (6:13) völlig in den Sand gesetzt hatte. Damals war Norwegen zurückgekommen und hatte die Partie gewonnen, heute schien ein solcher Coup außer Reichweite, zumal Johanna Wiberg vom Kreis auf 14:6 erhöhte und Linn-Kristin Riegelhuth mit einem Strafwurf an Cecilia Grubbström scheiterte. Schweden strotzte vor Selbstvertrauen, Linnea Torstenson erhöhte auf 17:8 (39.) und steuerte auf einen deutlichen Sieg zu. Norwegen gab lediglich Lebenszeichen in Form von Kontertreffern, Ida Alstad traf ebenfalls mehrfach. Schweden hatte indessen keine Probleme den Vorsprung aufrecht zu erhalten.

Von den Rängen bekam Norwegen frenetische Unterstützung - jede geglückte Aktion, jede Strafe für Schweden wurde stürmisch bejubelt, jeder Fehler lautstark bedauert. Oftedal, Mørk und Herrem nutzten den Rückenwind, um acht Minuten vor Schluss auf 22:17 zu verkürzen, Grimsbø zeigte ihre sechste Parade, das Duell verlief zumindest auf der Torhüterposition ausgeglichen. Doch Schweden konnte nachsetzen, Torstenson und Wiberg erhöhten auf 24:18 (58.). Die Vorentscheidung war gefallen, der letztliche 24:19-Sieg wurde kurz und lautstark gefeiert. Das Team von Per Johannsson bedankte sich danach vor allem bei Torfrau Cecilia Grubbström für den wichtigen Rückhalt. Schweden führt nach dem ersten Spieltag die Hauptrundengruppe 2 mit sechs Punkten an.