12.12.2010 17:50 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Erfolgloser Kampf der Niederlande - Frankreich startet mit Sieg in Hauptrunde

Einen wichtigen Erfolg im Kampf um einen Platz im Halbfinale feierte heute das Team aus Frankreich. Die Niederlande, nach dem deutschen Ausscheiden mit zwei Punkten in die Hauptrunde gestartet, begann vor allem in der Deckung gut fand in der Offensive aber nicht in Tritt. Als die Abwehr zu bröckelte, konnte Frankreich die Führung übernehmen und diese zunächst bis zum 16:11 ausbauen. Die Niederlande gaben sich aber nicht auf, Debbie Klijn zeigte eine überragende Phase und war der Grund, dass der Außenseiter beim 21:21 wieder ausgleichen konnte. Die Ausgeglichenheit - fünf Spielerinnen trafen dreimal - und das nötige Glück sprachen aber letztlich Frankreich mit 21:23 den ersten Hauptrundensieg zu. "Richtig ärgerlich", so Diane Lamein zur Niederlage. Maura Visser (9/6) und Joyce Hilster (5) waren die besten Werferinnen der Niederlande.

Olivier KrumbholzOlivier Krumbholz
Quelle: Michael Heuberger
Die Niederlande spielten zu Beginn etwas gewiefter, nutzten zunächst über Lamein eine Siebenmeterchance und setzten vor allem die Flügelspieler gut ein. Die Abwehr war gut auf die Französinnen eingestellt und so hätte es nach sieben Minuten bereits 3:1 für Oranje gestanden, wenn Pearl van der Wissel einen auf französischem Gebiet eroberten Ball an Amandine Leynaud vorbei gebracht hätte. Die französische Torfrau hielt ihrem Team aber auch bei einem Wurf von Rechtsaußen Debbie Bont den Rücken frei, sodass die anfänglichen Offensivprobleme des Teams von Olivier Krumbholz nicht am Spielstand abzulesen waren. Stattdessen markierte Katty Piejos nach acht Minuten den 2:2-Ausgleichstreffer. Die Niederlande machte zu wenig aus ihren Chancen, spielte vorn zu hastig.

Langsam kam die Equipe Tricolore über die Abwehr auf, die die Niederländerinnen jetzt wirksam in die Distanz drängte. Camille Ayglon prüfte mit einem Hüftwurf zunächst den Pfosten, dann brachte Sira Dembele Frankreich im direkten Gegenstoß erstmals in Front. Sie war es auch, die Frankreich beim 6:4 (14.) erstmals mit zwei Toren in Vorlage brachte. Die Niederländerinnen ließen in dieser Phase nur noch teilweise Spielwitz durchblicken, aber Frankreich nahm sich viele schlecht vorbereitete Würfe, mehrfach verfehlten Würfe das Tor völlig. So konnte sich das Team Oranje im Spiel halten und ging nach Treffern von Hilster und Visser beim 8:6 (20.) selbst mit zwei Toren in Front. Olivier Krumbholz wollte wieder mehr Struktur im Spiel seiner Mannschaft sehen und machte seiner Unzufriedenheit in einer Auszeit Luft.

Seine Worte fanden Gehör, Frankreich stellte zudem die Abwehr um und spielte eine offensive 6:0 – mit Erfolg. Die Niederlande kam mit der neuen Aufgabe nicht klar und mit dem Führungstreffer zum 9:8 setzte Dembele erneut einen wichtigen Treffer. Dreimal in Folge hatte Frankreich getroffen, van der Wal verhinderte indessen mit zwei Paraden Schlimmeres. Aber auch sie konnte nicht verhindern, dass Frankreich kurz vor der Pause dann erstmals eine etwas höhere Führung herauszuwerfen konnte: Alexandra Lacrabère nutzte einen Strafwurf zum 13:10, erstmals führten die Französinnen mit drei Treffern. Elf Sekunden waren im ersten Durchgang noch zu spielen, Henk Groener rief seine Spielerinnen zu sich um den letzten Angriff zu besprechen. Der letzte Wurf prallte jedoch von Leynauds linkem Oberschenkel ins Aus.

Die Niederlande wechselten mit Wiederanpfiff die Torfrau aus und konzentrierten sich wieder etwas mehr auf die Abwehr, wo Willemijn Karsten nun Pearl van der Wissel entlastete. Hilster traf und Klijn konnte sich bei einem Gegenstoß erstmals auszeichnen, allerdings hebelte Amélie Goudjo die niederländische Torfrau beim nächsten Konter aus - in der niederländischen Offensive lief noch immer nicht viel zusammen. Körperlich war die Mannschaft von Henk Groener klar im Nachteil, zudem traf Frankreich aus dem Rückraum immer wieder mühelos. So lief Oranje auf verlorenem Posten dem Rückstand hinterher, der mangels eigener Treffer immer größer wurde. Alexandra Lacrabére traf beim 11:16, Maura Visser warf hingegen aus vollem Lauf die französische Torfrau ab.

Oranje fand aber über den Kampf ins Spiel zurück, da Frankreich die Zügel schleifen ließ: Visser und Hilster brachten ihr Team mit je zwei Treffern auf 17:18 (49.) heran. Debbie Klijn hatte unterdessen bei den hohen Würfen der Französinnen das nötige Glück und wehrte fast jeden zweiten Wurf ab. Beide Teams produzierten viele Fehler, die Nerven lagen in den Aktionen blank. Fünf Minuten vor Abpfiff beantragte Henk Groener die Auszeit: Sein Team setzte jetzt auf Zweikampfstärke - beim 21:21 (60.) war der Ausgleich fällig. Aber Frankreich konnte auf seine Routine setzen: Im letzten Angriff verhinderte Dembele den erneuten Ausgleich, eroberte den Ball und konterte. Van der Vissel konnte nur noch störend eingreifen, bekam eine Zeitstrafe, und mit dem fälligen Strafwurf gelang Spincer das 21:23 - der Endstand: Auftaktsieg für Frankreich in der Hauptrunde.