24.11.2010 21:00 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß - handball-world.com

Rote Laterne hängt nach 25:33 gegen Göppingen weiter in Bietigheim

Joyce Hilster traf zehnmal für Göppingen.Joyce Hilster traf zehnmal für Göppingen.
Quelle: fa-frauen.de


Weckte ihr Team gewohnt lautstrak: FAG-Torfrau Julia Schulz.Weckte ihr Team gewohnt lautstrak: FAG-Torfrau Julia Schulz.
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Letzten Endes eine klare Angelegenheit trotz zäher Startphase war das Spiel in Bietigheim für die Göppinger Frisch Auf-Frauen. Nach dem 3:2 (7.) setzten sich die Gäste binnen zehn Minuten vorentscheidend auf 4:9 ab. Göppingen verfügte über die größeren spielerischen Mittel, Bietigheim wirkte nervös und nicht frisch und traf bis zum 10:16-Pausenstand vor allem durch Siebenmeter. Nach dem Wechsel war Göppingen weiter dominant und führte nach 44 Minuten beim 14:24 erstmals mit zehn Toren. Danach konnte die SG BBM besser mithalten und bis zum 25:33-Endstand Ergebniskosmetik betreiben, die die bittere Niederlage etwas abmilderte. „Wir haben uns heute selbst geschlagen“, urteilte Lana Holder (7/5), während sich Göppingens Joyce Hilster (10) über den Sieg ihres Teams freute.

Durch zwei Strafwürfe von Sara Walzik kam Bietigheim gegen Göppingen zu einer 3:2-Führung. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits acht Minuten gespielt, die Teams neutralisierten sich in der Abwehr, allerdings sammelte Bietigheim mehrfach den Ball auf und machte jedoch nichts daraus. Als Walzik vom linken Flügel zudem ihre Möglichkeit zum 4:3 (9.) vergab, waren die von Bietigheim gut kontrollierten Kreisanspiele auf Dangel der einzige Strohhalm. Göppingens Torfrau Julia Schulz bedachte dann einen von Karin Weigelt vertändelten Ball mit einem lauten Wutschrei. Das war der Weckruf für Göppingen. Hilster konterte zum 4:3, Walzik vergab im Gegenzug erneut, Schulz parierte. Kritische Situationen, die Göppingen die nötige Ruhe verliehen: Nach 14 Minuten erhöhte Herr für die Gäste auf 7:4, drei Wirkungstreffer in Folge - und die konzentriert aufspielende Hilster ließ einen weiteren Folgen.

Göppingen drohte Bietigheim, das nach Macks 4:4-Ausgleich (11.) aufgrund eigener Fehler in ein Loch geplumpst war, nun mit Kontern und schnellen Spielhandlungen zu überziehen. Bietigheims Trainer Severin Englmann zog die Notbremse in Form einer Auszeit, während die hinter dem Bietigheimer Tor platzierten Göppinger Fans bereits feierten. Englmann konnte die Probleme in der Offensive gegen sattelfeste Göppingerinnen nicht lindern - der Rückraum verbuchte zu wenige gute Aktionen - der nun offensiver ausgerichteten Deckung hauchte der neue Trainer indessen vorübergehend wieder etwas mehr Aufmerksamkeit ein, sodass der Göppinger Vorsprung in dieser Phase langsamer wuchs. Die Gäste steuerten freilich bereits jetzt auf einen Sieg zu.

Walzik konnte nach 18 Minuten die BBM-Torflaute beenden, das 5:9 war bereits der dritte Strafwurf. Lana Holder traf danach aus dem Feld und Friedrich parierte gegen Stellbrink. Allerdings vergab Walzik als fast einziger Aktivposten danach einen Siebenmeter, der die Querlatte von oben streifte. So blieb Göppingen in Vorlage, zumal Anita Herr ihre Möglichkeit von der Markierung zum 6:10 aus Bietigheimer Sicht nutzte. Göppingen bewies die größeren spielerischen Mittel: Nicole Dinkel war beim 8:14 (27.) die dritte Anspielstation bei sechs Metern und traf. Bietigheim existierte weiterhin nur über die Strafwürfe, die nun Lana Holder verwandelte. Bis zum 10:16-Halbzeitstand gelangen den Gastgeberinnen lediglich vier Treffer aus dem Feld, davon einer in Überzahl direkt.

Dieses Kunststück aus großer Torentfernung gelang Franziska Beck kurz nach dem Wechsel ebenfalls. Aus dem Positionsangriff strahlten die Gastgeberinnen jedoch nur für wenige Minuten eine größere Gefahr aus. Die auf 4+2 umgestellte Abwehr ließ sich zu leicht aushebeln und so verlagerte sich der Handlungsdruck bei den Enztälerinnen bald wieder auf die Offensive. Jeden Fehler bestrafte Göppingen dabei im Stile eines erfahrenen Erstligateams, Birute Stellbrink erhöhte nach 40 Minuten auf 14:22 und sorgte danach beim 14:24 (43.) erstmals für einen 10-Tore-Unterschied. Bietigheim steuerte auf eine weitere herbe Schlappe zu, von der in Sindelfingen in Ansätzen gezeigten taktischen Marschroute gab es nichts zu sehen. „Die Abläufe sitzen noch nicht fest genug um sie unter Druck abrufen zu können“, urteilte Trainer Severin Englmann, dessen zu diesem Zeitpunkt beantragte Auszeit etwas Linderung brachte.

Göppingen nutzte den großen Vorsprung um angesichts der schmalen Ersatzbank früh Kräfte zu sparen. Anita Herr machte für Frances Günthel Platz und die gut spielende Nicole Dinkel nahm den freien Platz im linken Rückraum ein. BBM-Torfrau Schilk, nach der Pause eingewechselt, konnte sich nun etwas besser auf ihre Vorderleute verlassen und Barbara Brecska setzte beim 19:28 (51.) ihren zweiten Treffer. Die zu Beginn des zweiten Durchgangs bei der SG BBM kurzzeitig erkennbare Moral flackerte wieder auf. Zudem hatten die Gastgeberinnen weiterhin Glück mit den Entscheidungen der Schiedsrichter, die an der Entwicklung der Partie keinen verstärkenden Anteil hatten. Der Rückstand pendelte weiter um zehn Tore, Helena Frank setzte beim 21:31 (55.) den ersten Bietigheimer Treffer von der Königsposition. Eine ordentliche Schlussphase ermöglichte den Gastgeberinnen danach Ergebniskosmetik zum 25:33-Endstand.


Stimmen zum Spiel

Aleksandar Knezevic, Trainer Frisch Auf Frauen
Es war ein kampfbetonter Start, sehr intensive erste 10 Minuten. Wir konnten die Hektik dann ablegen und konnten bis zur Pause eine Führung herausspielen. Ich bin ganz stolz auf meine Mannschaft, hier ist es nicht leicht zu spielen. Wir haben wenige Spielerinnen zur Verfügung und müssen wir weiter mit diesem knappen Kader zurecht kommen.

Severin Englmann, Trainer SG BBM Bietigheim
Wir waren ein bisschen geschockt. Man hat gemerkt, dass wir unheimlich nervös agiert haben und auch unsere Chancen nicht genutzt haben und den Ball verloren haben. Diese Fehler in der Vorwärtsbewegung haben natürlich doppelt weh getan. Dadurch kam ein großer Druck auf uns, durch die wir einige Fehler produziert haben. Diese hat Göppingen ganz gut genutzt. Wir konnten uns zwar zeitweise in der Abwehr steigern, haben aber den eroberten Ball immer wieder verloren und so kam dann diese Niederlage zustande. Wir müssen weiter an unserer Feinabstimmung arbeiten. Heute sind wir mit der Drucksituation nicht zurecht gekommen. Wir sind auf der Suche nach weiteren Verstärkungen, auch um reagieren zu können, wenn die Mannschaft in eine solche Drucksituation kommt. Wir hoffen, dass es so schnell wie möglich so weit sein wird.

Lana Holder, Spielerin SG BBM Bietigheim
Das ist für uns heute wirklich ganz bitter. Wir sind heute an unseren eigenen Fehlern gescheitert, haben zu viele technische Fehler produziert. Wir haben uns heute selbst geschlagen.

Joyce Hilster, Spielerin Frisch Auf Frauen
Wir waren guten vorbereitet und haben heute gezeigt, wie gut wir spielen können. Danke auch den mitgereisten Fans.