22.11.2010 13:45 Uhr - 2. Bundesliga Süd - Helmut Seipp - Bergsträßer Anzeiger / Sören Wennerlund

Bad Wildungen unterliegt starker HSG Bensheim/Auerbach

Topleistung im Topspiel - mit einer beeindruckenden Leistung haben die Zweitliga-Handballerinnen der HSG Bensheim/Auerbach die hohe Auswärtshürde bei der HSG Bad Wildungen genommen und die Nordhessinnen vom zweiten Tabellenplatz verdrängt. Die Flames landeten mit dem souveränen 33:24 (14:11) nicht nur selbst ihren vierten Erfolg in Serie, sondern sie brachten Bad Wildungen die erste Saison-Heimniederlage bei.

Alexandrine Abalo Zinsou mit Bensheims Kreisläuferin Antje LauenrothAlexandrine Abalo Zinsou mit Bensheims Kreisläuferin Antje Lauenroth
Quelle: Jens Kaliske / HNA
Und das Spiel hinterließ beim Verlierer Spuren, denn ein völlig enttäuschter Trainer Gernot Weiss gab zwischen den Zeilen zu verstehen, dass er sich mit einem Rücktritt beschäftige – was ein weiterer Rückschlag für die HSG Bad Wildungen wäre, die mit finanziellen Problemen zu kämpfen und in den letzten Wochen bereits einige wichtige Köpfe im sportlichen Management verloren hat.

Und vielleicht setzten die Querelen hinter den Kulissen diesmal der Mannschaft doch mehr zu, als noch beim souveränen 27:18 in der Vorwoche gegen Riesa. Das Bad Wildungener Team bekam von den Flames jedenfalls deutlich die Grenzen aufgezeigt, vor allem im spielerischen Bereich.

Zwar überzeugte die HSG Bensheim/Auerbach mit einer tollen Mannschaftsleistung, doch ragten bei diesem grandiosen Erfolg drei Spielerinnen heraus: Zum einen hielt Torfrau Petra Diener "überragend", so Trainer Thorsten Schmid, während im Angriff Kim Naidzinavicius und Antje Lauenroth mit blindem Spielverständnis die Glanzpunkte setzten. Zusammen erzielten sie 21 der 33 Flames-Tore; viele über Tempogegenstoß, aber auch immer wieder durch schöne Spielzüge.

In der 5:1-Abwehr mit der vorgezogenen Antje Lauenroth "arbeiteten alle hervorragend", so Thorsten Schmid, was vor allem zur Folge hatte, dass der gefürchtete Bad Wildungener Rückraum mit Sabine Heudens, der Litauerin Ruta Kakaite und der Rumänin Joana Christina Mihai nicht so recht zur Geltung kam. Viele Spielanteile bei Bensheim bekam auch Laura Magelinskas, deren Kniereizung wohl auskuriert ist. Die österreichische Nationalspielerin blieb zwar ohne Torerfolg, war aber in der Abwehr eine große Stütze wie auch ihre Landsfrau Romana Grausenburger, die die holländische Linksaußen in den Bad Wildungener Reihen, Miranda Robben, kaum zur Entfaltung kommen ließ.

Man darf gespannt sein, wie die Flames bei ihrer nächsten Auswärtsaufgabe am kommenden Samstag in Riesa das Fehlen von Magelinskas und Grausenburger, die zu einem Lehrgang der österreichischen Nationalmannschaft eingeladen sind, verkraften werden. Hier sollte dann wieder die zuletzt verletzte Lisa Mößinger als Alternative im Rückraum zur Verfügung stehen. Diese stand zwar in Bad Wildungen im Flames-Kader, wurde aber nicht eingesetzt.

Dabei begann die Partie keineswegs verheißungsvoll für die Flames, denn erst in der sechsten Minute gelang der erste Treffer zum 1:1-Ausgleich, nachdem die sonst vom Strafwurfpunkt so treffsichere Annika Hermenau einen Siebenmeter vergeben hatte. Auf der Gegenseite blieb aber im Gegenzug Mihai vom ominösen Punkt gegen Diener erfolglos; die Gastgeberinnen nutzten letztlich nur zwei ihrer fünf Siebenmeterchancen, während die Flames durch die selbstbewusste Kim Naidzinavicius ihren zweiten Strafwurf verwerteten - und zwar zum wichtigen 12:10 kurz vor der Pause.

Zwar blieb Bad Wildungen vor allem durch Kampfgeist fast in der kompletten ersten Halbzeit stets noch dran und ließ Bensheim/Auerbach noch nicht entscheidend davonziehen (Schmid: "Es war ein Klassespiel von beiden Teams"), doch bereits hier zeichnete sich ab, dass die Gäste von der Bergstraße mehr Klasse besitzen als die Nordhessinnen. Diese zeigten kurz nach der Pause nochmals ein kurzes Aufbäumen und verkürzten von 11:15 auf 13:15, aber dann waren die Flames nicht mehr zu stoppen - sie brannten ein wahres Handball-Feuerwerk ab. "Das war noch besser als beim 36:35-Heimerfolg vor drei Wochen gegen Dortmund", jubelte der Fanbeauftragte Michael Sporer.

„Wir haben eine unglaubliche Leistung gezeigt“, sagte Gästetrainer Thorsten Schmid nach dem Spiel. „Ich dachte nicht, dass wir hier heute so dominant sein würden, meine Spielerinnen haben heute ein perfektes Spiel gezeigt.“ Womit er den Nagel auf den Kopf traf: Mit Antje Lauenroth, die am Kreis ihre wohl beste Saisonleistung zeigte und Kim Naidzinavicius, die ihre Mitspielerinnen immer wieder in Szene setzte oder selbst den Abschluss suchte, hatte Bensheim in einem starken Kollektiv zwei herausragende Spielerinnen. „Wir haben katastrophal gespielt“, so Trainer Gernot Weiss in einem ersten Statement nach dem Spiel.