19.11.2010 10:03 Uhr - Champions League - Christian Stein - handball-world.com

Endspiel in Wien: Hypo NÖ und Leipzig kämpfen um ein Hauptrundenticket

Schlüsselspielerin: Katja SchülkeSchlüsselspielerin: Katja Schülke
Quelle: Sebastian Brauner
Es ist ein echtes Endspiel um den Einzug in die Hauptrunde am morgigen Abend in der Südstadt. Hypo Niederösterreich empfängt den HC Leipzig und die Bedingungen für den Einzug in die Hauptrunde sind klar umrissen. Der Deutsche Meister reist mit einem Vorsprung von zwei Zählern in die Alpenrepublik und schafft bei einer Punkteteilung bereits den Sprung unter die besten acht Mannschaften, Hypo hingegen reicht nach dem Sieg in Leipzig vor wenigen Wochen ein einfacher Sieg für den Einzug in die nächste Runde. Für die Mannschaft, die am Ende das Nachsehen hat und aus der Königsklasse ausscheidet, winkt als Trostpflaster immerhin der Einzug ins Achtelfinale des Pokalsiegerwettbewerbs. «Die kämpferische Einstellung muss besser werden, dann ist auch etwas möglich. Das erste Ziel heißt Champions-League-Weiterkommen, sollte es nicht sein, können wir auch mit dem Pokal der Pokalsieger leben», verdeutlichte HCL-Manager Kay-Sven Hähner gegenüber der dpa die Ausgangslage für den Deutschen Meister.

Leipzig könnte schon längst in der nächsten Runde stehen. Zur Überraschung vieler Experten feierte der HCL zum Auftakt in die Champions League einen knappen Auftaktsieg bei SD Itxako und legte dann auch im Heimspiel gegen DVSC Debrecen den zweiten Sieg nach. Ein Heimsieg gegen Hypo NÖ am dritten Spieltag und der Deutsche Meister wäre nur noch theoretisch zu stürzen gewesen. Doch es kam anders, die Österreicherinnen siegten in der Messestadt mit 28:23. Vor allem die zwölffache Torschützin Gabriela Rotis-Nagy hatte der HCL nicht in den Griff bekommen. Zudem brachte Keeperin Olga Sanko die Sächsinnen mit ihren Paraden zur Verzweiflung. „Das war unser schlechtestes Spiel in der Champions League in diesem Jahr“, erklärt HCL-Torhüterin Katja Schülke im Gespräch mit ehfcl.com und ergänzt: „Wir haben uns die Partie noch einmal angeschaut und festgestellt, dass alles schief gelaufen ist. Wir haben leichtfertig zwei Punkte weg gegeben, die für uns ein Türöffner für die Hauptrunde gewesen wären.“

Die ganze Saison schon mit vielen Verletzungen geplagt schmerzte vor allem die Abwesenheit von Anne Müller, die gemeinsam mit Natalie Augsburg die Abwehr organisiert und im Angriff die Lücken für die Rückraumspielerinnen schafft. Da zudem auch Renate Urne schwangerschaftsbedingt pausiert musste Trainer Heine Jensen auf Luisa Schulze setzen – zweifelsfrei ein großes Talent, doch längst nicht so erfahren wie Müller oder Urne. Auf der anderen Seite konnte die U20-Nationalspielerin nun Erfahrungen sammeln, die für die weitere Entwicklung nur förderlich sein können und dem HCL in den heimischen Wettbewerben von großem Nutzen sein werden. Mit einem wahren Kraftakt fuhr Leipzig in Ungarn den dritten Sieg ein - 20:19 in Debrecen, der Verbleib auf dem internationalen Parkett war zwei Spieltage vor Schluss mit vier Zählern Vorsprung auf Hypo und Debrecen abgesichert.

Ganz anders der Saisonverlauf bei den Österreicherinnen. Nach einer am Ende durchaus schmeichelhaften 21:22-Auftaktniederlage bei Debrecen und einem 19:30-Heimdebakel stand Hypo bereits mit dem Rücken zur Wand. Das Matuschkowitz-Team erstürmte anschließend die Arena Leipzig und verkaufte sich auch beim 21:23 gegen Itxako teuer. Der vorletzte Spieltag lief dann ganz nach dem Geschmack des Teams aus der Alpenrepublik. Hypo setzte sich knapp mit 28:26 gegen Debrecen durch, auch weil die Schiedsrichterinnen in der 16. Minute eine Tätlichkeit von Daniela Piedade an Anita Bulath übersahen, und entschied den direkten Vergleich mit dem ungarischen Vizemeister für sich. Die Teilnahme am Pokal der Pokalsieger als Mindestziel war erreicht. Einen Tag später leistete dann der spanische Meister Schützenhilfe und siegte in Leipzig souverän mit 31:27. „Wir hatten zum Saisonbeginn große Verletzungsprobleme. Aber nun sind die jungen Spielerinnen gut integriert und verstehen sich prima mit den erfahrenen Spielerinnen“, erläutert Hypo-Trainer Martin Matuschkowitz gegenüber ehfcl.com den bisherigen Saisonverlauf.

Beide Seiten sind von einem Triumph am Samstag überzeugt. „Hypo war immer ein Club, der sich im Laufe einer Saison kontinuierlich verbessert hat und genau das passiert nun auch. Wir werden von Spiel zu Spiel besser“, so Matuschkowitz. „Ich bin überzeugt, dass wir unser Ziel (den Hauptrundeneinzug, Anm. der Red.) erreichen können, denn wir haben ein großes Selbstvertrauen“, so Katja Schülke und verweist auf die Rückkehr von Müller: „Selbst wenn sie nur für ein paar Minuten auf dem Platz ist, so wird sie sehr wichtig für uns sein.“ Auch HCL-Trainer Heine Jensen ist vom Einzug in die nächste Runde überzeugt. «Bei Endspielen wie gegen Hypo können wir viel lernen, so etwas macht doch den Job erst interessant. Da rückt die Mannschaft noch näher zusammen», sagte der Däne, der trotz der Personalprobleme gelassen bleibt, der Nachrichtenagentur dpa: «Im Sport gibt es keine Probleme, da gibt es nur Herausforderungen.»

Nachdem die letztjährigen Leistungsträgerinnen Mette Ommundsen und Renate Urne wegen Fußverletzung und Schwangerschaft weiter fehlen und auch Neuzugang Rannveig Haugen noch an einem Haarriss im Fuß laboriert, kann die Devise nur lauten: Zusammenrücken und durchbeißen. Denn auch den fitten Spielerinnen merkt man die Dreifach-Belastung aus Champions League, Bundesliga und DHB-Pokal deutlich an. «Wir kommen kaum noch dazu, richtig zu trainieren. Wir sind eigentlich nur am Vorbereiten der nächsten Partie», sagte Leipzigs derzeit beständigste Spielerin Karolina Kudlacz der dpa. Nach 14 Spielen in den vergangenen zweieinhalb Monaten ist sich HCL-Manager Kay-Sven Hähner der Situation bewusst: «Wenn man ein paar verletzte Spielerinnen hat, dann kommt eine Abwärtsspirale in Gang. Die Gesunden bekommen noch mehr Einsatzzeiten und werden auch verletzungsanfälliger.» Geld für weitere Spielerinnen will der 40-Jährige aber nicht locker machen: «Wir haben eine gute Mannschaft und mit der werden wir die Saison erfolgreich bestreiten.» Auch Jensen steht zu seinem Kader - Fragen nach Verstärkungen beantwortet er erst gar nicht.

Nach zuletzt drei Niederlagen in Folge stand vor allem der Deckungsverbund und auch Schülke selbst in der Kritik. Sowohl bei den Niederlagen in Buxtehude, gegen Itxako und auch am Mittwoch gegen den FHC Frankfurt/Oder blieb der HCL nie unter der Marke von 30 Gegentoren. „Unsere Abwehr war das Fundament unserer Erfolge in den letzten Jahren. Wir müssen uns steigern, nicht nur wegen der kassierten Tore, sondern auch Gebrauch von unserer stärksten Waffe zum machen - dem Gegenstoß.“ Hypo hingegen will vor allem den Positionsangriff des HCL zerstören. „Wir müssen ihre Angriffe unterbinden und vor allem ein Augenmerk auf Kudlacz haben. Wir müssen diszipliniert unserem Matchplan folgen und uns vor allem auf die Abwehrarbeit konzentrieren“, erklärt Matuschkowitz seine Marschroute. „Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Meisterschaften“, heißt es im allgemeinen Sprachgebrauch, doch am Samstag scheint der Schlüssel zum Gewinn des Spiels vor allem in der Abwehr zu liegen.