15.11.2010 10:34 Uhr - 2. Bundesliga Nord - PM Vereine

Hornets gewinnen Spitzenspiel gegen Weibern

Es war die 50. Spielminute - die Fans der Hornets feierten mit stehenden Ovationen das erste Tor der Torhüterin Andrea May, die einen schnellen Tempogegenstoß mit gutem Auge selbst abschloss und anstelle eines Passes den Ball über die herauseilende Torfrau von Weibern in das Tor warf. Es war das 23:17 und die über 800 Besucher in der Sporthalle 1 genossen die zweite Halbzeit, freuten sich über den Sechs-Tore-Vorsprung, das Spiel war in dieser Phase so gut wie entschieden. Am Ende siegte das Team von Trainer Stefan Haigis gegen TuS Weibern mit 28:20 (11:11), verteidigte zum einen die Tabellenführung und fügte zum anderen den Vulkan-Ladies die erste Saisonniederlage bei. Es war ein hartes Stück Arbeit, es war gerade in der ersten Hälfte ein ungewohntes Bild, dass der TV Nellingen mit wenig Tempohandball in den ersten dreißig Minuten nicht richtig ins Spiel gekommen war.

Auch Torhüterin Andrea May trafAuch Torhüterin Andrea May traf
Quelle: TV Nellingen
Schon der Blick auf den Mannschaftsbogen verriet, warum Weibern beim TV Nellingen am Samstagabend letztlich chancenlos war. Auf Nellinger Seite stand da die Maximalzahl von 14 Spielerinnen, auf Seite der Weiberner Vulkan-Ladies hingegen konnte TuS-Trainer Jan Reuland nur noch 11 Akteurinnen aufbieten. Da verwunderte es anschließend auch nicht, dass Reuland unumwunden zugab; „Für uns ging es heute von Anfang an um Risikominimierung und Schadensbegrenzung. Hätten wir auf Biegen und Brechen versucht auf Sieg zu spielen, dann wären wir vermutlich nicht so billig davon gekommen“.

Die Taktik von Gästecoach Jan Reuland ging in der ersten Hälfte auf, die Hornets passten sich ungewohnt dem Spiel an. Viele Offensivaktionen wurden nicht konsequent abgeschlossen, gerade in den Anfangsminuten herrschte eine unerwartete Nervosität im Spiel der Hausherrinnen. Erst in der fünften Minute erzielte Jessica Schulz das erste Tor der Hornets durch einen Siebenmeter, bis dahin führte Weibern mit 2:0 und nur Andrea May hielt mit einigen Paraden das Team des TV Nellingen im Spiel. Jessica Schulz war es auch, die gerade in der ersten Hälfte die "Lebensversicherung in der Offensive" war. Von den 11 Toren erzielte sie selber 9 Treffer, davon vier Treffer per Siebenmeter.

„Unsere 6:0-Abwehr hat recht ordentlich gestanden, was auch die nur 11 Gegentore bis zur Halbzeitpause beweisen. Ich bin dann auch in der zweiten Halbzeit bei dieser Abwehrformation geblieben. Vielleicht hätten wir es doch mal mit kurzer Deckung gegen Schulz versuchen sollen“, räumte Reuland ein, meinte aber auch: „Gewonnen hätten wir deshalb aber auch nicht“.

Weibern spielte eine sehr gute erste Halbzeit und konnte die Ausfälle von vielen wichtigen Leistungsträgerinnen kompensieren. Neben der hervorragenden Torhüterin Lena Knipprath überzeugten auch Svenja Huber und vor allem Nadja Zimmermann. Stefan Haigis stellte bereits nach acht Minuten von der 6:0-Deckung um und übertrug Tina Habiger die Aufgabe mit der kurzen Deckung von Huber die Shooterin von Weibern aus dem Spiel zu nehmen. Mit einem gerechten 11:11 Unentschieden ging es dann in die Kabinen.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit folgten die spielentscheidenden sechs Minuten. In Unterzahl, Skenderovic saß mit einer Zeitstrafe auf der Bank, traf Tine Gall nach 27 Sekunden bereits zur 12:11-Führung, die noch einmal von Eva Frank ausgeglichen wurde. Die Hornets zogen das Tempo an, innerhalb von fünf Minuten eilten die Hausherrinnen bei einem Gegentreffer zur 17:13 Führung. Erstmalig scheiterte dann auch Huber in der 37. Minute mit einem 7-Meter-Wurf an Andrea May und bei der Auszeit der Vulkan-Ladies stand es 22:17 (46.) für das Team von Stefan Haigis. Die Partie war entschieden, da Weibern das Tempo nicht mehr mithalten konnte und dem kleinen Kader Tribut zollen musste.

Lediglich Nadja Zimmermann erwies sich aus dem TuS-Rückraum auch in dieser Phase noch als recht treffsicher. „Nadja hat mir heute ganz gut gefallen. Sie hat mittlerweile akzeptiert, dass ihr Spiel noch Licht und Schatten hat und spielt geduldiger und mutiger“. Aber auch das änderte nichts daran, dass in Ostfildern letztlich für Weibern nichts zu holen war. Reuland: „Wir können aber erhobenen Hauptes heimreisen, denn wir haben uns ordentlich verkauft.“

Die 800 Zuschauer feierten nun ausgelassen den siebten Sieg in Folge ihrer Hornets, nachdem auch die überraschende Niederlage von Konkurrent Borussia Dortmund in Allensbach bekannt gegeben wurde. Nach schweren ersten dreißig Minuten konnte das Team von Stefan Haigis in der zweiten Halbzeit ihr Tempospiel wieder aufnehmen. Komplimente gab es an die Adresse von Jan Reuland und TuS Weibern, die mit ihrem dezimierten Kader sich sehr gut präsentierten. "Wir gehören zu den besten Teams in der Liga", so Stefan Haigis nach der Partie, und sieht sich auf Augenhöhe mit der HSG Bensheim-Auerbach und Borussia Dortmund. "Es folgen jetzt zwei weitere Top-Spiele", resümierte Geschäftsführer Stefan Wiech den abgelaufenen Spieltag und die kommenden Aufgaben. "Das Derby in Metzingen am Samstag wird spannend werden, die Tussies stehen für mich überraschend auf Platz 4 und spielen bislang eine sehr gute Saison. Danach begrüßen wir Borussia Dortmund, die sich mittlerweile ebenfalls in den Kreis der Play-off Kandidaten gespielt haben. Ich freue mich auf diese zwei hochkarätigen Partien."