06.11.2010 23:40 Uhr - 1. Bundesliga - red und PM Vereine

THC setzt sich in Bietigheim im zweiten Abschnitt ab

Gegen eine verletzungsbedingt stark dezimierte Bietigheimer Mannschaft gelang dem Thüringer HC ein 32:22 (13:13) Erfolg. 30 Minuten dominierten die Gastgeber die Partie - dann versagten die Kraftreserven. Beste Werferin für die Thüringerinnen wurde Nadja Nadgornaja mit sechs Feldtreffern, für Bietigheim traf Sara Walzik sieben mal - sechs davon von der Siebenmetermarke.

Franziska Garcia-Almendaris schied verletzt ausFranziska Garcia-Almendaris schied verletzt aus
Quelle: Mario Gentzel
"Ausgerechnet Sara Walzik", mag THC-Trainer Herbert Müller zu Beginn der Partie gedacht haben. Die BBM-Außenspielerin sollte eigentlich in dieser Saison beim THC anheuern, wurde gar als Neuzugang präsentiert und unterschrieb dann doch lieber beim Aufstieger. Mit drei Toren hatte die Flügelspielerin großen Anteil an der frühen 7:4-Führung, die sich die Hausherrinnen in den ersten zwölf Minuten erarbeiten konnten. Die Gastgeberinnen waren geplagt von großen Verletzungssorgen mit dem letzten Aufgebot angetreten und konnten gerade einmal acht Feldspielerinnen aufbieten. Fast in Bestbesetzung hingegen waren die Gäste angetreten. Lediglich Pearl van der Wissel fehlte aus privaten Gründen. Hinzu kam nun jedoch auch noch der Ausfall von Franziska Garcia-Almendaris, die nach einer mehrminütigen Behandlungspause zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus gebracht wurde.

Bietigheims neuer Trainer Severin Englmann hatte bereits vor der Partie gegen das internationale Starensemble des Thüringer HC angekündigt, dass Spiel nutzen zu wollen, um einiges auszuprobieren. Bereits zu Beginn erkannten die 650 Zuschauer in der Bietigheimer Sporthalle am Viadukt, dass Englmann das auch machte: Mit einer offensive Abwehr versuchte Bietigheim, den Thüringer Rückraum-Spielerinnen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Und sein Plan ging auf. „Der Überraschungseffekt ist uns gelungen“ erklärt Englmann nach dem Spiel. Auch sein Erfurter Kollege Herbert Müller konnte ihm da nur beipflichten: „Bietigheim hat offensiv verteidigt“ bestätigte er. „Egal wie ich gewechselt habe, wir liefen stets einem Zwei-Tore-Rückstand hinterher. Bietigheim hat in der ersten Hälfte eine Top-Leistung gezeigt.“

Doch es war nicht nur die Schrecksekunde nach der Verletzung von Franziska Garcia Almendaris, die den Thüringer HC beschäftigte. „Wie immer haben wir die ersten 15 Minuten komplett verschlafen“ wusste THC-Coach Müller nach dem Spiel. „Ich stelle jetzt dann einen Antrag bei der Liga, dass unsere Spiele erst nach 15 Minuten beginnen“ ergänzte er schmunzelnd. Bietigheim hingegen nutzte die Thüringer Schwächephase und konnte nach knapp elf Minute beim Stande von 8:5 sogar auf drei Tore davonziehen. Die Gäste fanden dann aber langsam zu ihrem Spiel und stellten sich auch auf die offensive Bietigheimer Abwehr ein. Bis zum Seitenwechsel konnte der Thüringer HC auf 13:13 ausgleichen. Begeistert vom Auftritt der Mannschaft in den ersten 30 Minuten zeigten sich Anhänger und Verantwortliche der SG beim Seitenwechsel. „Die erste Hälfte war das Beste, was ich in dieser Saison gesehen habe“ bestätigte auch SG-Vorstand Olaf Wilhelm nach der Partie.

Nach dem Seitenwechsel erwischte der THC einen besseren Start. Kerstin Wohlbold und Marcella Deen trafen zum 13:15, doch anders als in den letzten beiden Partien gegen Leverkusen und Blomberg blieben die Enztalerinnen dieses mal in Schlagdistanz. Eine erfolgreiche Aufholjagd verhinderte jedoch Maike März. 20 Minuten vor dem Ende wurde dann der Kräfteverschleiß bei den Hausherrinenn spürbar und der THC bestrafte die Fehler konsequent. Als die Gäste auf fünf Tore (18:23) davon gezogen waren, versuchte Severin Englmann mit einer Auszeit den Lauf zu stoppen, doch die BBM kam nicht mehr in Tritt. Der Thüringer HC baute basierend auf einer starken Abwehrleistung die Führung konsequent auf neun Tore (18:27) aus.

Erst in Überzahl - Stefanie Subke musste auf die Strafbank - konnten die Gastgeberinnen die über zehnminütige Torflaute beenden. Die Partie war entschieden, lediglich die Höhe war fraglich. Doch der Thüringer HC kämpfte verbissen um ein zweistelliges Ergebnis, die Zeitstrafen häuften sich und am Ende siegte der THC mit zehn Treffern Vorsprung.

Stimmen nach dem Spiel:

Severin Englmann (Bietigheim):
Wir wussten, dass uns gegen den THC nur ein Wunder helfen kann. Aber ich habe heute gesehen, welches Potential in der Mannschaft steckt. Wir haben eine richtig gute erste Halbzeit gespielt. Der Überraschungseffekt gegen den Thüringer HC ist uns gelungen. Wir konnten in der ersten Hälfte viele erfolgreiche Tempogegenstöße laufen, leider kam in der zweiten Hälfte immer mehr Sand ins Getriebe. Ab der 45. Minute bekamen wir dann Probleme mit der doppelten Manndeckung. Leider ist uns keine weitere Überraschung mehr gelungen. Zum Spiel in Sindelfingen können wir wahrscheinlich noch auf zwei Jugendspielerinnen zurückgreifen. Um den Klassenerhalt zu schaffen müssen wir aber noch ein bis zwei Spielerinnen holen. Wir sondieren den Markt, es muss eine Spielerin sein, bei der alles passt.

Herbert Müller (Thüringer HC):
Bietigheim hat es auch heute wieder geschafft in der ersten Halbzeit eine Top-Leistung zu zeigen. Wie erwartet hat Bietigheim offensiv gegen uns verteidigt - egal wie ich gewechselt habe, wir liefen stets einem Zwei-Tore-Rückstand hinterher. In der zweiten Hälfte hat unsere Mannschaft eine gute Leistung gezeigt.