09.10.2010 18:21 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine/red

Blomberg zeigt Oldenburger Schwächen auf

Andre Fuhr freute sich über den dritten Saisonsieg seines TeamsAndre Fuhr freute sich über den dritten Saisonsieg seines Teams
Quelle: sportseye.de
Die HSG Blomberg-Lippe hat die Niederlage beim FHC Frankfurt/Oder gut verdaut und vor heimischer Kulisse gegen den VfL Oldenburg mit 30:26 (12:12) gewonnen. Alexandra Uhlig (7/4) und Sabrina Richter (6/1) erzielten die meisten Tore für die Lipperinnen, Oldenburgs beste Torjägerin war Angie Geschke (6/2). Oldenburg verlor durch die Niederlage zunächst den Anschluß an die Spitzengruppe, während Blomberg nun 6:4 Punkte auf dem Konto hat, weist das der Oldenburgerinnen 4:4 aus. "Das waren nicht nur zwei ganz wichtige Punkte, sondern auch unser erstes richtiges Erfolgserlebnis", freute sich Blombergs Trainer André Fuhr.

Gute Ansätze zeigten die Oldenburgerinnen durchaus in dieser "doch recht guten Partie", wie Blombergs Trainer Andre Fuhr bemerkte. Sie reichten aber nicht zu einer Oldenburger Führung. Dass beide Teams mit Gleichstand in die Kabine marschierten, hatte der VfL im Wesentlichen Torfrau Tatiana Surkova zu verdanken. Die 29-Jährige parierte allein in den letzten zweieinhalb Minuten der ersten Hälfte vier schwere Bälle. Das nutzte der VfL mit drei Toren in Folge zum 12:12-Pausenstand. Das 1:0 (1.) und 2:1 (3.) durch Kreisläuferin Caroline Thomas hatten Laura van der Heijden aus dem Rückraum und Lois Abbingh per Siebenmeter (4.) noch ausgleichen können, danach aber lag die HSG vorne, führte mit 4:2 (8.), 6:4 (13.), 9:6 (18.) und mit 12:9 (25.) durch die ab der 17. Minute spielende Alexandra Uhlig, die ihrem Team durch viele gelungene Einzelaktionen und sicher verwandelte Siebenmeter „einen wichtigen Kick gegeben“ (Fuhr) hatte. Zuvor hatten die Gastgeberinnen drei Strafwürfe vergeben und trauerten auch ansonsten den zahlreich vergebenen Chancen nach.

Immerhin kratzte der VfL mehrmals am Ausgleich. Angie Geschkes sehenswerter Hüftwurf ins untere lange Eck zum 8:9 (21.) war Oldenburgs fünfter Anschlusstreffer, per Schneller Mitte besorgte Lydia Jakubisova das 9:10 (22.). In der Schlussphase folgte dann die erfolgreichste Phase der Gäste: Die gute Kim Birke verwandelte von der linken Seite nach schnellem Spiel über Sabrina Neuendorf und Geschke zum 10:12 (26.), im Zusammenspiel - doppelter Doppelpass - mit Birke gelang Wiebke Kethorn per Konter das 11:12 (29.) und nach einer weiteren Parade Surkovas besorgte Birke wieder per Konter den Ausgleich (30.). Einen starken Eindruck hinterließ auf Blomberger Seite bis dahin Kreisläuferin Caroline Thomas. Sie setzte die Vorgaben von Fuhr zielgenau um. Blombergs Coach hatte nämlich im Videostudium auf die Oldenburger Schwächen in der Innenverteidigung hingewiesen.

Mit der Pause war der Elan der Oldenburgerinnen aber dahin, allerdings hatte der VfL auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen: Julia Wenzl fehlt wegen den Nachwirkungen ihrer Fuß-OP wohl noch noch bis Ende des Monats, Wiebke Kethorn (die zunächst für Barbara Hetmanek auf der Bank saß) ging wie Maike Schirmer wegen einer Grippe geschwächt ins Spiel, und selbst die starke Surkova litt unter Rückenschmerzen. Für die schwangere Ulrike Stange ist die Saison ohnehin schon beendet. 13 Bälle, darunter zwei Doppel-Paraden, zwei Siebenmeter und einen Konter Sabrina Richters (frühere Neukamp) parierte Surkova in Hälfte eins, nach der Pause fing die VfL-Torfrau gerade noch drei Würfe ab. Es war bezeichnend, Oldenburg wurde nun überrannt, Blomberg zog über 14:12 und 17:14 auf 21:16 davon.

Allein gelassen von der Deckung, parierte Surkova erst in der 42. Minute ihren ersten Ball und kurz danach noch einen weiteren Konter Richters, auf der anderen Seite nahm Natalie Hagel mit zwölf Paraden nach dem Seitenwechsel eine mitentscheidende Rolle ein. Mit Uhligs sechstem Tor, dem 24:18 (44.), war die Partie schon fast entschieden. Die Gäste gaben sich nicht auf und hielten die Niederlage in Grenzen. "Drei, vier Tore hätten wir noch aufholen können, sechs oder acht waren dann zu viel", sagte die auch auf der rechten Außenbahn eingesetzte Lydia Jakubisova: "Ich habe lange wenigstens auf ein Unentschieden gehofft, aber Blomberg hat unsere Abwehr auseinandergenommen." Dass nach dem Spiel noch ein platter Reifen am Mannschaftsbus gewechselt werden musste und sich daher die Abfahrt noch um eine gute Stunde verzögerte, passte ins Bild eines aufgrund der 26:30-Niederlage verkorksten Tages für die Gäste.

Erfreuliches aus Oldenburger Sicht spielte sich nach 45 Minuten und neun Sekunden ab: Linksaußen Anna Badenhop betrat nach ihrer über ein Jahr dauernden Pause wegen eines Knorpelschadens die Platte, verwandelte zum 23:29 (55.) einen Konter per Heber und ließ mit einem Wurf zum 25:29 (58.) ins lange Eck ein weiteres Tor folgen. Es war Badenhops erster Einsatz seit dem 15. Mai 2009 - 27:24 gegen FA Göppingen im letzten Saisonspiel 08/09). "Ich hatte gar keine Zeit, nervös zu werden", sagte die 25-Jährige: "Ich freue mich, dass es so gut geklappt hat, aber im Vordergrund steht der Ärger über die Niederlage. Ich hätte lieber noch länger auf mein erstes Spiel gewartet, wenn wir hier etwas geholt hätten." Auch bei Blomberg kam mit Katja Langkeit eine Langzeitverletzte zu ihrem ersten Heimspiel-Einsatz nach ihrem Kreuzbandriss im März, ihre beiden Heber von links verfehlten jedoch das Tor. "Katja wird wieder eine wichtige Spielerin sein", ist sich Fuhr sicher: "So lange wir so viel darüber reden, werden die Heber aber über das Tor gehen."

Während sich Oldenburg mit 4:4 Punkten zunächst im Tabellenmittelfeld orientieren muss, bedeutete der dritte Saisonsieg für die Gastgeberinnen einen, so Fuhr, "Befreiungsschlag". "Wir haben uns diesen Sieg erkämpft und verdient gewonnen", atmete die wieder überzeugende Saskia Lang auf: "Das waren zwei ganz wichtige Punkte." Alexandra Uhlig erinnerte an die vergangene Woche, als Blomberg beim damals noch punktlosen Frankfurter HC verlor: "Da standen wir noch so da, wie Oldenburg heute." Als entscheidend sah auch Uhlig den "kleinen Lauf in der zweiten Halbzeit" an. Schon am kommenden Mittwoch (19.30 Uhr) geht es für den VfL in der Bundesliga weiter. Dann gastiert die DJK/MJC Trier in der EWE ARENA. Am Samstag (16.10.2010, 19 Uhr MESZ) und Sonntag (17.10., 22 Uhr MESZ) spielen die Oldenburgerinnen in ihrer Auftaktrunde im EHF-Cup bei Valur Reykjavik auf Island. Die HSG muss am kommenden Sonntag bei Bayer Leverkusen ran.

Stimmen zum Spiel:

Leszek Krowicki, VfL:
Das Ergebnis geht in Ordnung. In der Abwehr waren wir nicht aggressiv, beweglich und ehrgeizig genug, haben nicht gut verschoben und Blombergs Kreis zu viel Platz gelassen. Und vorne haben wir unsere Konzepte nicht umgesetzt. Mit so einer lockeren Einstellung kann man kein Spiel gewinnen. Ich habe zwar auch einiges an Positivem entdeckt, aber wir nehmen noch mehr Dinge mit nach Hause, an denen wir arbeiten müssen. Ich bin ganz froh, dass wir schon am Mittwoch die nächste Möglichkeit haben.

Andre Fuhr, HSG:
Wie Leszek heute, haben wir letzte Woche viel Arbeit aus Frankfurt mitgenommen. Diesmal bin ich zufrieden, denn heute waren wir über weite Strecken richtig gut. Vorne hatten wir gute Kombinationen, auch in der Abwehr hat es weitgehend gestimmt. Nur gegen Ende der beiden Halbzeiten waren wir etwas nachlässig. Das war unser bestes Spiel in dieser Saison, für uns ein echter Befreiungsschlag.