05.10.2010 02:41 Uhr - 1. Bundesliga - PM VfL Sindelfingen

Silke Meier: "Die Stimmung in der Mannschaft war sehr angespannt"

Silke Meier vom VfL Sindelfingen hat in ihrer Karriere schon einiges erlebt. Die 30-Jährige Handballerin lief in den vergangenen 14 Jahren unter anderem für den VfL Waiblingen, die TuS Metzingen und Bayer 04 Leverkusen auf. Für den DJK/MJC Trier ging sie sieben Jahre lang auf Torejagd. Für die Linksaußen-Spielerin war die Partie am Wochenende gegen die „Miezen“ also kein Spiel wie jedes andere. Im Interview mit VfL-Pressesprecher Tobias Frey äußert sich die gebürtige Stuttgarterin zum 31:29-Sieg, zu den Meisterschaftsfavoriten und zur Stimmung in der Sindelfinger Mannschaft.

Silke MeierSilke Meier
Quelle: Eibner Pressefoto
Silke Meier, ihr konntet Trier am Wochenende knapp mit 31:29 bezwingen. Wie ist das Spiel aus deiner Sicht abgelaufen?

Silke Meier:
Es war von vornherein klar, dass es ein schwieriges Match wird. Es war eine harte, umkämpfte Partie und wir freuen uns natürlich über die zwei Punkte. In der ersten Halbzeit hatten wir Trier eigentlich im Griff, dann verloren wir aber unverständlicherweise den Faden und kamen in Bedrängnis. Am Schluss haben wir zum Glück doch noch die Kurve bekommen und das Spiel gewonnen.

Ihr lagt teilweise mit sechs Toren in Führung, seid dann aber immer wieder eingebrochen.

Silke Meier:
Das Problem war unsere Abwehrleistung, wir haben nicht konsequent genug gedeckt. Wir haben da zu schlampig agiert und die Trierer regelrecht zu Toren eingeladen, oft machten wir auch individuelle Fehler. Unsere Defensive wies zu viele Lücken auf, daran müssen wir noch arbeiten.

Außerdem waren mit Iris Cartarius, Maren Baumbach, Marielle Bohm und Nadine Härdter gleich vier Stammspielerinnen angeschlagen. Zudem wurde viel rotiert - du musstest zeitweise als Spielmacherin fungieren.

Silke Meier:
Wobei ich finde, dass man das gar nicht groß gemerkt hat. Viele konnten in der vergangenen Woche nur teilweise oder gar nicht trainieren und wir konnten uns deshalb auch nicht ideal auf das Spiel vorbereiten. Ich finde, dass wir trotzdem gut zusammengespielt haben. Für mich war es kein Problem im Rückraum zu spielen, das habe ich auch während der Saisonvorbereitung schon öfter gemacht um Maren zu entlasten. Durch diese Rotation sind wir nicht so berechenbar.

Du hast von 2000 bis 2007 beim DJK/MJC Trier gespielt, 2003 hast du mit dem Team die deutsche Meisterschaft gewonnen. Hast du noch Verbindungen in die Moselstadt?

Silke Meier:
Ja, natürlich. Ich bezeichne Trier als meine zweite Heimat und ich bin auch heute noch öfter dort, um zum Beispiel Freunde zu besuchen. Aus der aktuellen Bundesliga-Mannschaft habe ich mit zwei Spielerinnen zusammengespielt - Torhüterin Daniela Vogt und Rechtsaußen Jana Arnošová. Es war schön, die beiden wiederzusehen und außerdem kenne ich auch noch einige Fans und Mitglieder des Betreuerstabes. Ich war sieben Jahre lang dort und klar, da hat man schon schöne Erinnerungen.

Ihr seid mit einem Sieg gegen die HSG Blomberg-Lippe in die Saison 2010/2011 gestartet, gegen Frisch Auf Göppingen und den VfL Oldenburg gab es dann zwei Niederlagen. Wie war in der vergangenen Woche die Stimmung im Team?

Silke Meier:
Sehr angespannt. Wir wussten von der Bedeutung des Trier-Spiels, das wir unbedingt gewinnen müssen. Die Verletzungsserie im Kader hat auch nicht zur Beruhigung beigetragen, im Gegenteil: Der Druck wurde dadurch noch höher. Es war wichtig, dass wir die beiden Punkte in Sindelfingen behalten und uns so etwas Luft verschaffen konnten. Dadurch können wir etwas zuversichtlicher auf die kommenden Aufgaben blicken.

Am nächsten Sonntag müsst ihr auswärts gegen den Buxtehuder SV ran, am 16. Oktober geht es in der Sommerhofenhalle gegen den HC Leipzig. Zwei schwere Aufgaben oder?

Silke Meier:
Das kann man definitiv so sagen. Beide gehören zu den besten Teams in Deutschland und sind gut in die neue Saison gestartet. Der Vorteil ist, dass wir völlig befreit aufspielen können, die Favoritenrolle liegt nicht bei uns. Durch den Sieg gegen Trier haben wir ein kleines Polster und deshalb haben wir gegen Buxtehude und Leipzig keinen Druck. Trotzdem wollen wir in beiden Spielen Vollgas geben.

In der noch jungen Saison gab es einige Überraschungen. Welche Vereine sind deiner Meinung nach Favoriten auf den Titel?

Silke Meier:
Da muss man sich nur die aktuelle Tabelle anschauen. Der HC Leipzig steht gemeinsam mit dem Thüringer HC ganz oben, das sind die beiden Topfavoriten. Beide verfügen über einen starken Kader, der auch in der Breite gut aufgestellt ist. Teilweise gibt es bei den Teams 14 Topspielerinnen. Ansonsten darf man natürlich auch Bayer Leverkusen nicht unterschätzen, obwohl im Sommer einige wichtige Spielerinnen den Verein verlassen haben.

Wo landet der VfL am Ende?

Silke Meier:
Ich hoffe in den Play-Offs. Wir werden alles daran setzen, auch wenn es nicht leicht wird, vier Teams hinter uns zu lassen. Unsere Neuzugänge sind gut integriert, wir haben zwei Siege auf dem Konto und sind hoch motiviert – deshalb kann unser Ziel nur die Play-off-Runde sein.