14.09.2010 03:50 Uhr - 1. Bundesliga - PM VfL Sindelfingen

"Ein großer Schritt" - Marcella Deen ist in Sindelfingen angekommen

Entspannte Person: Marcella DeenEntspannte Person: Marcella Deen
Quelle: VfL Sindelfingen
“Oranje-Power” heißt es seit dieser Saison beim VfL Sindelfingen. Die 22-Jährige Marcella Deen verstärkt die Bundesliga-Handballmannschaft, die Kreisläuferin ist niederländische Nationalspielerin. Seit Ende Juli wohnt sie in Darmsheim und hat sich hier schon gut eingelebt. „Mir gefällt es sehr in Sindelfingen, die Stadt und meine Wohnung sind echt schön. Und auch die Integration in die Mannschaft war kein Problem“, erzählt die gebürtige Heemskerkerin, die vom holländischen Meister VOC Amsterdam kam und in der letzten Partie sieben Treffer für Sindelfingen erzielte.

Marcella stammt aus einer Handballerfamilie, auch ihre Mutter und ihre große Schwester Tamara haben die Ballsportart betrieben. Mit fünf Jahren trat sie ihrem Heimatverein DSS Heemskerk bei. Als sie 13 war, wechselte sie zum VOC Amsterdam und besuchte zusätzlich die Handballakademie in Arnheim. Dann ging es Schlag auf Schlag: Ihr Bundesligadebüt in der niederländischen Ehrendivision gab sie im zarten Alter von 15 Jahren, ihr erstes Länderspiel absolvierte sie mit 16 gegen Island. „Da konnte ich direkt zwei Tore erzielen, das war natürlich ein toller Einstand in der Nationalmannschaft“, erzählt sie. „Aber es war auch alles sehr anstrengend in Holland, teilweise hatten wir bis zu vier Spiele pro Woche. Liga, Pokal, Champions League, Nationalmannschaft – das ist schon sehr heftig gewesen.“

Bis 21 läuft sie für den VOC Amsterdam auf, anschließend erfolgte der Wechsel zum VfL Sindelfingen. Deen: „Mit Amsterdam hatten wir in den vergangenen Jahren alle Titel gewonnen, die es in Holland gibt. Ich möchte mich weiterentwickeln und da war es schwierig, da die niederländische Liga nicht so stark ist wie die deutsche.“ Deshalb entschloss sie sich zum Umzug nach Deutschland, den sie nicht bereut hat. „Ich wurde gut aufgenommen und hier in meiner Wohnung fühle ich mich sehr wohl. Meine Vermieter sind nett und helfen mir wenn zum Beispiel der Fernseher kaputt ist. Und auch die Mannschaft ist klasse, wir unternehmen viel gemeinsam.“ So trifft sie sich jeden Mittwoch mit Cassandra Engel zum gemeinsamen Kochen.

Auch auf dem Spielfeld klappt das Zusammenspiel ihrer Meinung nach schon fast perfekt: „Es ist klar, dass wir noch nicht bei 100 Prozent sind, das braucht Zeit. Aber je mehr wir trainieren, um so besser läuft es. Ich hoffe, dass wir diese Saison in die Play-Offs kommen und vielleicht spielen wir ja nächstes Jahr international gegen Amsterdam,“ meint sie schmunzelnd. Mit der Kommunikation gibt es übrigens keine Probleme, da sie in der Schule jahrelang Deutschunterricht hatte und in den kommenden Wochen in Sindelfingen einen Sprachkurs besuchen wird. „Erst dann werde ich mich nach einem Job umschauen,“ sagt die 22-Jährige, die an der University of Amsterdam erfolgreich Betriebswirtschaftslehre und Marketing studiert hat. Sie kann es sich gut vorstellen, künftig im Sportmarketingbereich zu arbeiten.

In ihrer knappen Freizeit telefoniert Marcella Deen viel mit ihrer Familie und Freunden, über das Internet tauscht man sich regelmäßig aus. „Es war natürlich ein großer Schritt nach Deutschland zu wechseln, aber ich bin überzeugt davon, dass es passen wird. Klar, vermisse ich meine Familie und das Meer in Heemskerk, aber das ist normal.“ Auch ihren Freund Stefan sieht sie logischerweise nicht mehr so oft wie früher. Der 24-Jährige hat die Kreisläuferin aber beim vergangenen Bundesligaspiel in Blomberg besucht und beide hoffen, dass die Beziehung über die große Distanz halten wird. „Wenn wir uns sehen, sind die Treffen umso schöner.“

Für 2010 hat sich die charismatische Sportlerin noch ein großes Ziel gesetzt: Sie möchte im Dezember mit der niederländischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Norwegen und Dänemark dabei sein. Mitte September nimmt sie deshalb an einem Trainingslager in Utrecht teil und hofft auf eine Einladung zu einem Turnier in Rotterdam. „21 Spieler dürfen beim Trainingslager mitmachen, aber nur 16 werden das Turnier spielen. Ich werde mein Bestes geben und dann muss man abwarten“, sagt Marcella. Wenn es klappt, wird sie bei der Europameisterschaft auf ihre Mannschaftskollegin Nadine Härdter treffen, die für das deutsche Nationalteam auflaufen wird.