07.09.2010 10:02 Uhr - 1. Bundesliga - Melanie Seifert / red

Durch die Familie zum Handball: Angie Geschke und Ulrike Stange über Gemeinsamkeiten

Nationalmannschaft derzeit kein Thema: Ulrike Stange Nationalmannschaft derzeit kein Thema: Ulrike Stange
Quelle: Hermann Jack
Ulrike Stange und Angie Geschke starteten mit dem VfL Oldenburg mit Handicap in die Runde – das erste Spiel gegen Bietigheim wurde wegen Unbespielbarkeit des Parketts abgebrochen. Das soll beide allerdings nicht hindern, wieder mit dem VfL erfolgreich zu sein. Aus ihrem Leben als Stammspielerinnen des VfL Oldenburg in der Frauenbundesliga berichteten Geschke und Stange im Interview mit Melanie Seifert und entdecken dabei zahlreiche Gemeinsamkeiten.

Angie GeschkeAngie Geschke
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Der Weg der Beiden ähnelt sich – beide Spielerinnen kamen über die Familie zum Handball: „Meine Mutter hat damals schon höherklassig Handball gespielt, ich bin also in den Sporthallen groß geworden“, erzählt Geschke: „Ich habe auf und zwischen den Sporttaschen geschlafen. Sobald ich sitzen konnte, haben meine Eltern mit mir fangen geübt, sobald ich stehen konnte, das Prellen usw. Ich wurde also mit dem Handball groß.“ Vom kleinen Lübeck ging es dann nach Frankfurt/Oder an die Sportschule: „Herr Dahlmann hat dort mit mir an meiner Kondition und meiner handballerischen Restausbildung für die 1. Bundesliga gearbeitet.“ Auch Ulrike Stange berichtet von einem ähnlichen Lebensweg: „Ich spiele seit meinem sechsten Lebensjahr, denn meine Oma und Mama haben auch Handball gespielt, also wurde es mir schon in die Wiege gelegt, was ich werden sollte. Ich hatte den gleichen Trainer in Oschatz wie meine Mama. Mit 14 bin ich dann nach Leipzig gewechselt und habe dort das Sportgymnasium besucht und im Internat gelebt. Nach dem Abitur und einem Jahr Diplomsportstudium bin ich zum BVB Dortmund ausgeliehen wurden. Nach zwei Jahren in Dortmund kam ich 2005 zurück nach Leipzig. Seit einem Jahr spiele ich jetzt in Oldenburg.“

Dem entsprechend verdanken sowohl Geschke wie auch Stange ihren Weg in die erste Liga vor allem ihren Eltern: „Sie haben mich immer unterstützt, ob finanziell oder damit, dass sie mich zu den Spielen begleitet haben“, sagt Stange. Geht es nun mit dem VfL in die Vorbereitung auf ein Spiel, dann allerdings unterscheiden sich die Rituale der beiden Oldenburgerinnen: „Vor einem Heimspiel mache ich meine Wohnung sauber, denn wenn ich den ganzen Tag nur rumgammel, dann fühle ich mich so müde“, gesteht Geschke, „ein Ritual, welches ich seit der letzten Saison habe, ist, dass mein Freund mir immer ein Stück Tape beschriftet oder bemalt, welches dann auf meinen Schuh kommt. Ansonsten bin ich bis fünf Minuten vor dem Anpfiff eher entspannt.“ Ihre Kollegin vom rechten Flügel hat da andere Abläufe: „Ich mache das, worauf ich gerade Lust habe. Bei Heim- und Auswärtsspielen lese ich vorher oder höre Musik. Ich habe eine Zeit lang immer drei Lieder von den Ärzten gehört, denn vor dem Spiel brauche ich immer Ablenkung, entweder durch Musik oder Lesen des Programmheftes in der Kabine. Ich hasse es in der Halle abzuhängen und zu warten, dass die Erwärmung losgeht.“

Mit dem VfL wollen beide wieder Großes erreichen. „Es ist schon o.k., was wir letzte Saison erreicht haben, aber ich als ehrgeizige Sportlerin denke da noch ein bisschen anders, denn direkt was auf der Hand hatten wir nach dieser guten Saison trotzdem nicht und das ist andererseits auch wieder enttäuschend, denn wer hat nicht gerne bei seinen Erfolgen jedes Jahr etwas Neues zu stehen“, schaut Geschke zurück. „Für mich persönlich war es eine schwierige Saison, denn nach meiner Auszeit war es nicht einfach wieder reinzukommen“, meint Stange: „Am Ende können wir zufrieden sein. Für mich ist es aber kein Erfolg, im Halbfinale gestanden und den Supercup gewonnen zu haben. Mit dem 3. Platz können wir zufrieden sein, mehr war in der letzten Saison nicht drin. Enttäuschend war es im DHB-Pokal auszuscheiden.“

Nun steht die neue Runde an, die Vorbereitung verlief gut – was aber kein Gradmesser für die beiden Stammspielerinnen des VfL sein soll: „Ich bin der Meinung, das sagt gar nichts aus. Wir haben beim Wunderhorn (bis auf Halbfinale und Finale) eine Spielzeit von zweimal zwölfeinhalb Minuten gehabt, das ist mit einem Punktspiel nicht zu vergleichen. Wir haben uns gefreut, jedoch müssen wir nun beweisen wozu wir in der Lage sein können“, warnt Geschke vor Euphorie. Trotzdem sind die Ziele hoch gesteckt: „Play-Offs und Final Four erreichen, im EHF-Cup: Soweit wie nur möglich“, sagt Stange kurz und knapp.

Mittlerweile zählen Geschke wie auch Stange zu den arrivierten Spielerinnen des VfL Oldenburg, entsprechende Verantwortung, auch gerade bei Krisensituationen im Team, liegt auf beiden. „Ich denke, da bin ich sehr geradeaus, wenn ich ein Problem habe, dann spreche ich es sofort an und versuche es aus der Welt zu schaffen“, sagt Geschke über ihren Umgang mit Konflikten. Ulrike Stange sieht sich etwas zurückhaltender: „Ich bin sehr konfliktscheu, aber wenn ich es anspreche, dann ehrlich.“

Rechtsaußen Stange sieht derzeit ihre persönliche Zukunft vor allem in Oldenburg: „Im Verein verbringt man die meiste Zeit seiner Karriere, und die Trainer und das Umfeld haben viel mehr Einfluss auf die Entwicklung der Spielerin. Aber in der Nationalmannschaft zu spielen und sein Land zu vertreten, ist ein tolles Gefühl und macht einen selber sehr stolz“, so Stange, die hinzusetzt, das Olympia 2012 und die Nationalmannschaft weit weg sei: „Das ist momentan kein Thema für mich. Ich fühle mich mental nicht stark genug dafür.“

Wenn es einmal abseits des Handballfeldes geht, dann zählt vor allem der Spaß im Leben. „Ich lache gerne und viel, meistens über jeden Blödsinn. Um Spaß zu haben, tue ich das, worauf ich gerade Lust habe...“, erzählt Geschke, die auch freimütig von ihrer „Lieblingssucht“ berichtet: „Dieses verdammte Kugeleis mit einer extra Portion frischer Schlagsahne und Schokosoße... Ich fühle mich schuldig“, lacht die Rückraumspielerin. Ulrike Stange ist nicht so sehr auf kulinarisches aus, sie hat ihren Lieblingsbeschäftigung vor dem TV: „Grey`s Anatomy“, sei ihre Lieblingsserie, „ich liebe diese Serie, genauso wie Lost. Ich warte sehnsüchtig auf die 6. Staffel.“

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