Donnerstag · 31.05.2012 · 15:02 Uhr · Ole Rosenbohm - VfL Oldenburg

VfL Oldenburg verlängert mit Quartett


Leszek Krowicki kann weiter auf Wiebke Kethorn bauen
Foto: Hermann Jack
Dem Handball-Bundesligisten und aktuellen deutschen Pokalsieger VfL Oldenburg bleiben vier weitere Spielerinnen erhalten: Auf der heutigen Pressekonferenz bestätigten Sabrina Neuendorf, Wiebke Kethorn (26 Länderspiele), Tess Wester und Barbara Hetmanek ihre Vertragsverlängerungen um jeweils eine Saison. Kethorn spielt schon seit 2002 beim VfL. Neuendorf und Hetmanek kamen 2007, Torfrau Wester zur abgelaufenen Saison.

„Das sind sehr erfreuliche Nachrichten. Wir haben ein tolles Team zusammen – je mehr Spielerinnen bleiben, desto besser ist es“, sagte VfL-Trainer Leszek Krowicki. Aus seinem erfolgreichen Team, das die Bundesliga-Hauptrunde in diesem Jahr auf dem vierten Platz abschloss und in Göppingen am 29. April den dritten DHB-Pokalsieg der Klubgeschichte einfuhr, sind damit nur noch Maike Schirmer, Julia Renner, Birthe Barger und Angie Geschke ohne einen Vertrag für die Spielzeit 2012/13. Anna Badenhop hatte ihre Karriere kürzlich beendet. Alle anderen bleiben sicher.

Die 27-jährige Neuendorf hatte mit der Verlängerung aufgrund der eigenen beruflichen Karriere etwas gezögert. Die angehende Juristin arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen. Neuendorf gilt als eine der besten Abwehrspielerinnen in Deutschland und spielt beim VfL als Mittelspielerin zudem auch eine wichtige Rolle im Angriff. Krowicki nennt die 18-malige Nationalspielerin „Miss Einhundert Prozent“ und sagte: „Sabrina kann nicht locker oder mit angezogener Bremse spielen, sie scheint nie müde zu sein und ist immer mit vollem Engagement dabei. Sie ist ein Vorbild für alle Leistungssportler.“

Spielführerin Neuendorf selber, die aus beruflichen Gründen nicht an der PK teilnehmen konnte, sagte: „Ich hatte hier fünf erfolgreiche Jahre und hoffe jetzt auf ein sechstes. Sicherlich ist es schade, dass wir nun zum zweiten Mal aus finanziellen Gründen nicht am Europapokal teilnehmen können. Doch es spricht für die Mannschaft, und es ist bewundernswert, dass sie trotz aller Probleme weiterhin zusammenbleibt. Das habe ich mir gewünscht.“

Auch bei Co-Spielführerin Kethorn stand der Beruf einer schnellen Verlängerung im Wege. Die gerade fertig studierte Architektin und Stadtplanerin hatte ihr Engagement beim VfL von einem Arbeitsplatz in oder um Oldenburg abhängig machen müssen. In dieser Woche unterschrieb die 26-Jährige nun bei ihrem neuen Arbeitgeber. Nachdem Spielerin und Verein die Situation kürzlich erklärt hatten, meldeten sich viele potenzielle neue Arbeitgeber. „Es ist erstaunlich, wie viele Reaktionen es gegeben hatte – Oldenburg hat wirklich versucht, mir zu helfen“, sagt Kethorn, die in ihrer Karriere auf 26 Länderspieleinsätze kam. Letztlich unterschrieb sie bei ihrem Wunsch-Arbeitgeber, bei dem sie sich bereits vorher beworben hatte.

„Wiebke hat eine überragende Rolle im Team – nach innen und nach außen“, sagte ihr Coach über sie. „Ihr Engagement ist unglaublich, sie würde ihr letztes Hemd für die Mannschaft geben.“ Sportlich sei sie zudem ebenfalls nicht zu ersetzen. Krowicki wisse nicht, wann sie Zeit zum Schlafen habe, fügt er lachend hinzu.

In der 19-jährigen Tess Wester verlängerte auch die jüngste Spielerin der Bundesligamannschaft. Die Torfrau wechselte 2011 vom niederländischen Erstligisten E&O Emmen zum VfL und spielte sogleich eine gute Rolle als Nummer 2 hinter Julia Renner. „Tess hat uns in dieser Saison oft geholfen, sehr schwierige Momente zu überstehen“, sagte Krowicki. „Sie ist ein Gewinn für uns.“ Ihre keineswegs abgeschlossene aber sehr positive Entwicklung sei auch ein Verdienst von Torwarttrainer Sascha Vorontsov. „Es ist für mich weiterhin ein Traum, dass ich in dieser tollen Mannschaft spielen darf“, sagte Wester. Ihre Ambitionen sind groß, ihr Ziel ist es, A-Nationalspielerin zu werden. Ab dem kommenden Montag nimmt sie an einem Trainingslager mit den niederländischen Juniorinnen teil und hofft ab Juli bei der U-20-WM in Tschechien zum Oranje-Kader zu gehören. Wester: „Ich muss mich zeigen. Lange war ich stets im Blickfeld der Auswahltrainer. Jetzt haben sie mich eine ganze Saison nicht gesehen.“

Barbara Hetmanek (24) spielt beim VfL gleich zwei wichtige Rollen: zum einen als Kreisläuferin im Erstligateam, zum anderen als Trainerin der A-Juniorinnen, die sie in dieser Saison bis ins Final Four am kommenden Wochenende (2./3. Juni in Blomberg) führte. „Im Moment bin ich zu 100 Prozent Trainerin“, sagte sie mit Blick auf den Saisonhöhepunkt des Oberligameisters. Und eine sehr gute, bestätigt auch Krowicki: „Babs macht einen tollen Job, als Trainerin hat sie noch eine große Zukunft vor sich. Als Spielerin ist sie ebenfalls wertvoll. Sie ist ein echter Gewinn für den Verein.“ Peter Görgen, der Geschäftsführer der VfL Oldenburg GmbH, bestätigte, dass sie sowohl einen Vertrag als Spielerin wie auch als A-Jugendtrainerin erhalten habe: „Die beiden Trainerinnen Barbara Hetmanek und Silke Prante haben dieser Mannschaft einen Stempel aufgedrückt. Barbara leistet keine 100 Prozent, sie gibt 120. Wir sind sehr glücklich über die Vertragsverlängerung.“

Sicher zum VfL-Kader 2012/13 gehören neben Neuendorf, Kethorn, Wester und Hetmanek somit Lois Abbingh (Vertrag bis 2013), Laura van der Heijden, Julia Wenzl, Kim Birke, Jennifer Winter und die aus der zweiten Mannschaft aufgerückte Rabea Neßlage. „Unser Ziel ist es weiterhin, mit allen weiteren Spielerinnen des erfolgreichen Kaders zu verlängern“, sagte Görgen.