Sonntag · 22.04.2012 · 13:30 Uhr · PM Trier

Jana Arnosova: Ein Leben für den Handball und eine neue Heimat


Geht: Jana Arnosova
Foto: TriSign
22 Jahre lang bestimmt der Handball das Leben von Jana Arnosova. Nun hängt sie die Handballschuhe schweren Herzens an den Nagel. Doch nach dem Umzug an die Mosel 2005 fand Arnosvoa in Trier mehr als nur einen neuen Verein. Die sympathische Tschechin sprach mit Sebastian Lindemans über Ihre Karriere und die Zeit nach dem Handball:

Jana, vorweg die Frage, wie geht es deinem Knie nach dem Kreuzbandriss vor einigen Wochen?

Jana Arnosova: Danke für die Nachfrage. Meinem Knie geht es langsam besser. Ich arbeite täglich daran, die Kniebeweglichkeit zurück zu gewinnen. Diese Woche steht noch ein Arzttermin an und davon verspreche ich mir die Freigabe für die Reha-Maßnahmen. Und dann kann es richtig intensiv losgehen.

Zu dem Schmerz der Verletzung kam sicher auch die Trauer darüber, dass du das Ende der Saison, und damit auch dein Karriereende als Spielerin, nicht auf dem Feld feiern konntest. Kommt einem ein solcher Gedanke schon während man auf der Platte behandelt wird, oder dominiert dann erst einmal der körperliche Schmerz?

Jana Arnosova: Bei mir war es absolut der Fall. Natürlich habe ich große körperliche Schmerzen gehabt, aber die Tränen, die wie ein Wasserfall geflossen sind, waren Tränen der Enttäuschung und Traurigkeit, darüber, dass es so „endet". Ich habe mir von ganzem Herzen gewünscht, mein letztes Spiel mit meinen Mitspielerinnen auf dem Feld zu stehen, nach dem Abpfiff mein Trikot ins Publikum zu werfen und mich bei den Fans mit einem Applaus zu bedanken. Leider wollte es das Schicksal anders.

Es gab in den letzten Jahren ja schon öfter den Moment, dass du dich mit dem Karriereende befasst hast. Du bist nach einem Jahr Pause wieder zurückgekommen und hast dich dann nochmal bereit erklärt zu helfen, obwohl die Doppelbelastung mit Job und Sport enorm ist. Am vergangenen Samstag kullerten dir dann ein paar Tränen, als du vor dem Heimspiel gegen Göppingen offiziell verabschiedet wurdest. Wie schwer fällt dir der Abschied vom Berufshandball?


Jana Arnosova: Es fällt mir unheimlich schwer. Der Handball war jahrelang der Mittelpunkt meines Lebens. Alles hat sich immer nur um den Handball gedreht. Die 22 Jahre haben mich daher sehr geprägt und ich habe sehr viele unterschiedliche Persönlichkeiten kennengelernt und viel tolle Freunde gewonnen. Ich habe viele Höhen und Tiefen miterlebt, bin tausende Kilometer gereist, habe viele Siege miterkämpft, aber auch viele Niederlagen eingesteckt. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was alles mir der Handball in diesen Jahren gegeben hat. Ich bin wirklich sehr froh, dass ich damals, mit 12 Jahren zum Ball gegriffen habe und ihn dann nicht mehr los gelassen habe. Aber jetzt ist wirklich die Zeit für mich gekommen, zu gehen. Mein Körper spielt ganz offensichtlich nicht mehr mit.

Ich erinnere mich gut daran, wie du 2005 an die Mosel kamst. Schon am ersten Tag haben wir mit dir für das Miezenmagazin Freiwurf.TV in der Stadt einen Beitrag gedreht und es war zugleich ein erster Stadtrundgang für dich. Hättest du damals gedacht, dass Trier heute deine neue Heimat werden würde?

Jana Arnosova: (lacht) Trier hat mich direkt bei meinem ersten Besucht absolut bezaubert. Es hat einfach alles gepasst und ich wurde in der Mannschaft sehr herzlich aufgenommen. Irgendwie habe ich mich schon nach zwei Jahren sehr verbunden gefühlt mit dieser Stadt. Das Familiäre hat es ausgemacht und das liegt mir sehr nah. Ja, Trier ist wirklich meine neue Heimat geworden und ich bin stolz ein Trierer zu sein.

Wir haben auch noch Bilder von deinen Anfängen bei den Miezen, damals noch mit roten Haaren. Wenn du an die ganzen Jahre bei den Miezen zurückdenkst, was waren für dich die schönsten, aber auch die schwersten Momente?

Jana Arnosova: (lacht) Ja, die rote Haare, das waren verrückte Zeiten. Die Frisur hat mir die positiv verrückte Anja Althaus verpasst (lacht). Es gab sehr viele schöne Momente. Dazu zähle ich auf jeden Fall die tollen Spiele vor 2000 Zuschauern in der Arena, die vielen Zittersiege, wo einem wirklich ein Stein von Herzen fällt. Phantastisch und absolut unvergesslich waren beide Spiele um den Klassenerhalt! Letztes Jahr das allerletzte Spiel zuhause gegen Frankfurt/Oder und dieses Jahr wieder gegen Frankfurt. Da war ich zwar nur als Zuschauer dabei, aber das, was ich empfunden habe während des Spieles und nach dem Schlusspfiff, das vergesse ich wirklich nicht.
Dann gab es natürlich viele Erlebnisse mit meinen Mitspielerinnen, die einfach zu Freundinnen geworden sind. So viele Busreisen, Trainingslager, Turniere, Mädelsabende, das war einfach viel Spaß. Das kann ich wirklich nicht einfach so zusammenfassen, das musst man einfach erlebt haben.

Du hast viele Umbrüche miterlebt, ein neuer steht jetzt wieder bevor. Aber schon in dieser Saison waren es die jungen Spielerinnen, die bei den Fans zu neuen Publikumslieblingen wurden. Fernab von allen finanziellen Fragen, glaubst du, dass sich hier über die letzten Monate ein neues junges Team gebildet hat, dass in den nächsten Jahren die Zukunft der Miezen werden kann?

Jana Arnosova: Ich fand es gut, dass die jungen Spielerinnen das Vertrauen bekommen haben. Und sie haben ihre Chance wirklich genutzt und sich super präsentiert. Wenn es dem Verein gelingt, die Achse, die sich diese Saison gebildet hat, zu halten, und dazu noch ein paar Talente nach Trier zu locken, dann werden wir mit Sicherheit viel Spaß haben in der kommenden Saison. Ich verspreche mir viel Tempo, viel Biss und gewisse gesunde Frechheit (lacht).

Auch diese Saison war wieder eine Menge Kampf angesagt. Was hat in den entscheidenden Momenten dafür gesorgt, dass die Mannschaft zusammengehalten und von sich aus entschieden hat: "Wir wollen weiterkämpfen!"? Der Bundesligastandort Trier stand auf der Kippe und die Entscheidung der Mannschaft hat den Fortbestand gesichert.

Jana Arnosova: Das wir wirtschaftliche Probleme hatten und haben, das wissen mittlerweile alle. Aber das Team hat einen unglaublich starken Zusammenhalt, was das Sportliche angeht. Wir wollten einfach nicht, dass die 1. Bundesliga aus Trier verschwindet. Wir wollten es sportlich schaffen und auch uns selbst beweisen, dass wir es schaffen können. Egal wie steinig der Weg sein mag. Und das ist uns gelungen. Ich bin wirklich sehr stolz darauf: Diese Mannschaft hat sich wirklich ein großes Lob verdient. Wir sind halt einfach "Unabsteigbar"! (lacht)

Du hast Jahrzehnte mit Handball verbracht, und, Hand aufs Herz, du wirst nicht ohne Handball weiterleben können. Was planst du für die Zukunft?

Jana Arnosova: Ich glaube ich werde irgendwie für immer mit dem Handball verbunden sein. Aber in erster Linie will ich mich jetzt wieder auf „die eigenen Beine stellen" und nach rascher Genesung hoffentlich bald wieder in die Arbeit einsteigen können. Ich werde aber auch mehr Zeit für mich, meinen Lebensgefährten und seinen Sohn haben, sie mussten sehr oft auf mich verzichten. Ohne ihn und sein Verständnis, sowie seine Unterstützung, würde ich nur schwer die Verletzungen verarbeiten können. Ich bin gespannt auf mein Leben nach dem Leistungssport.

Jana, wir danken dir für viele Jahre tollen Handball, viele Tore und viele nette Worte. Bleib dem Verein mit deiner positiven Stimmung erhalten und genieße deine neugewonnene Freizeit!

Jana Arnosova: Ich habe auch zu danken. Ich danke ganz herzlich allen Fans, Freunden, Sponsoren und Familienmitgliedern für die Treue zum Verein, das Verständnis und die Unterstützung. Ohne euch wäre Vieles nicht möglich gewesen. Ihr habt uns die Kraft gegeben, alle Tiefen durchzustehen und nur mit euch gemeinsam haben wir unseren Traum von dem Erhalt der 1. Bundesliga in Trier in Erfüllung gehen lassen. Danke! Dekuji!